Träume während der Narkose

Bild: Eine schlafende Frau

Träume während der Narkose
unterscheiden sich nicht von
alltäglichen Träumen; © Hemera

Zahlreiche Patienten berichten nach einer Operation, dass sie während der Zeit der Anästhesie heftig geträumt hätten. Dieses Phänomen wird bislang nur unzureichend verstanden. Insbesondere weiß man nicht, ob Träumen während der Narkose ein Zeichen für eine unzureichende Anästhesie ist, ob träumende Patienten also nicht tief genug anästhesiert waren. Die wenigen Studien, die es bislang zu diesem Thema gab, haben unterschiedliche Ergebnisse gebracht.

Nun haben die Wissenschaftlerin Dr. Kate Leslie vom Royal Melbourne Hospital in Australien und ihr Team einen neuen Versuch unternommen, Licht in diese Angelegenheit zu bringen. Sie untersuchten 300 Patienten, die sich nacheinander in ihrer Klinik einer elektiven Operation unterzogen und dabei eine Vollnarkose erhielten. Mit Hilfe des „Bispectral Index“, der die anästhetische Wirkung auf das Gehirn misst, konnten sie die Tiefe der Narkose ermitteln. Nach der Operation wurden die Patienten zu eventuellen Träumen während der Narkose befragt.

22 Prozent der Patienten berichteten tatsächlich, während der Narkose geträumt zu haben. Als man den Bispectral Index derjenigen Personen, die geträumt hatten, mit dem Index der Nicht-Träumer verglich, zeigte sich keinerlei signifikanter Unterschied.

Dafür konnten die Wissenschaftler aber anderes zeigen: Offensichtlich träumen unter Narkose vor allem jüngere Menschen und Männer sowie Personen, die auch zu Hause oft träumen; außerdem solche, die bald nach der Operation die Augen öffneten.

Man befragte die Träumer auch zu den Inhalten ihrer Träume. Beruhigend zu erfahren: Jene, die unter der Narkose geträumt hatten, berichteten zumeist, es seien angenehme Träume gewesen, die mit der Operation nichts zu tun hatten. Im Großen und Ganzen glichen die Träume unter der Narkose jenen, die in häuslicher Umgebung nachts geträumt wurden.

MEDICA.de; Quelle: Anesthesiology 2007, Vol. 106, S. 33-42