Die meisten Menschen glauben, dass unangenehme Ereignisse im Leben einer Schwangeren das Leben des Kindes beeinflussen können. Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass schwere psychische Traumata im ersten Drittel der Schwangerschaft das Risiko eines geringen Geburtsgewichts, das Risiko von Frühgeburten und kongenitalen Störungen erhöhen. Dies könnte auch für die Schizophrenie gelten. Man glaubt nämlich, dass bei Schizophrenen das Gehirn bereits frühzeitig im Mutterleib geschädigt wurde. Daneben gibt es auch genetische Effekte. In einer Studie britischer Wissenschaftler unter der Leitung von Doktor Ali S. Khashan sollte dies nun näher untersucht werden.

Die Briten nutzten dazu die Daten aller Frauen in Dänemark, die zwischen Januar 1973 und Juni 1995 ein Kind bekommen hatten. Mit Hilfe anderer Daten identifizierten sie all jene Frauen, die in den sechs Monaten vor der Geburt einen Verwandten ersten Grades wie etwa die Mutter oder einen Bruder verloren hatten beziehungsweise dieser schwer erkrankt war.

Insgesamt 1,3 Millionen Kinder waren in diesem Zeitraum geboren worden. 21.987 dieser Kinder hatten Mütter, denen während der Schwangerschaft ein solcher Schicksalsschlag widerfahren war.

Während des Untersuchungszeitraums trat bei 4.287 Jungen und 3.044 Mädchen eine Schizophrenie auf. Dieses Risiko war erhöht bei jenen Kindern, die bereits mindestens einen schizophrenen Verwandten haben, außerdem bei minderjährigen Müttern.

122 der schizophrenen Kinder waren von jenen Müttern mit dem schweren Schicksalsschlag in der Schwangerschaft. In 80 dieser Fälle war ein naher Verwandter tatsächlich gestorben. Nachdem man störende Faktoren herausgerechnet hatte, zeigte sich, dass das Risiko bei diesen Kindern, an Schizophrenie zu erkranken, 67 Prozent höher ist als bei Kindern von Müttern, die eine Schwangerschaft ohne Tod eines nahen Angehörigen erlebten.

MEDICA.de; Quelle: Archives of General Psychiatry 2008, Vol. 65, S. 146-152