Rating: Trend zu großen Klinikverbünden bleibt

10.06.2013
Foto: Handschlag

Die finanzielle Lage der deutschen Krankenhäuser bleibt angespannt. Der Trend zu Klinikverbünden setzt sich fort; © panthermedia.net/I.V. Cicorella

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser bleibt angespannt. Um Kosten zu sparen, werden sich immer mehr Kliniken zu großen Verbünden zusammenschließen und ihre Leistungen stärker bündeln.

Die Versorgungssicherheit ist dabei nur selten in Gefahr, die Politik sollte diesen Prozess unterstützen. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt die 9. Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“. Der Report basiert auf einer Stichprobe von 645 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2010 sowie 254 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2011. Sie umfassen insgesamt fast 1 000 Kliniken.

2011 befanden sich 13% der deutschen Krankenhäuser im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr, 14% waren leicht gefährdet („gelber Bereich“). 2010 waren noch unter 10% im roten Bereich. Ein Drittel der Krankenhäuser schrieben 2011 einen Jahresverlust, 2010 waren es nur 16%. Ein Grund für die Verschlechterung könnte ein erheblicher Personalaufbau 2011 sein, die Zahl der Vollkräfte im Krankenhaus nahm um 1,7% zu. Für 2013 und 2014 hat die Politik Maßnahmen zur Unterstützung der Krankenhäuser in Höhe von 1,1 Milliarden Euro angekündigt. Diese dürften die Lage stabilisieren, schon ab 2015 droht ohne Gegenmaßnahmen aber wieder eine Verschlechterung. Bis 2020 könnten sich 19% der Häuser im „roten Bereich“ befinden. Besonders um die Investitionsfähigkeit der Kliniken ist es schlecht bestellt: Mittlerweile hat sich ein Investitionsstau von 15 Milliarden Euro angehäuft.

Weitere Ergebnisse der Studie sind, dass ein hoher Spezialisierungsgrad insbesondere für kleine Krankenhäuser vorteilhaft ist. Wie in den Vorjahren gingen Wirtschaftlichkeit, Qualität, Patientenzufriedenheit und Managementqualität Hand in Hand. Eine neue Erkenntnis war, dass wirtschaftlich starke Kreise wirtschaftlich schwache öffentlich-rechtliche Kliniken besitzen. Offenbar werden in diesen Fällen klamme Krankenhäuser finanziell unterstützt und nötige Betriebsanpassungen verhindert oder verzögert. Bei privaten und freigemeinnützigen Krankenhäusern gab es dagegen keine solche Wechselbeziehung mit der Wirtschaftskraft des Kreises.

Während der Zeitraum 2005 bis 2011 durch eine starke Mengendynamik geprägt war, könnte der Anstieg der Patientenzahlen – und damit der Erlöse – künftig geringer ausfallen. Auf der Kostenseite dürfte es dem einzelnen Krankenhaus jedoch auch zunehmend schwerer fallen, Optimierungspotenziale zu erschließen. Darüber hinaus werden die Kosten der Eurokrise und die Schuldenbremse es der Politik im Laufe dieses Jahrzehnts erschweren, finanzielle Hilfen in Wahljahren zu gewähren.

Insofern dürften stärker als bisher Krankenhausstrukturen auf der Verbundebene optimiert werden, was eine Konsolidierung des Krankenhausmarkts nach sich ziehen wird. Zwar ist diese Marktkonsolidierung bereits im Gange: die Zahl der Krankenhausträger ist zwischen 1995 und 2011 von 1 600 auf 1 121 gesunken, und mehr als 60% der Kliniken gehören inzwischen zu einem Träger mit mindestens zwei Krankenhäusern. Zukünftig dürfte sie sich beschleunigt fortsetzen, nicht zuletzt weil sich auch die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen stark reduziert. Vorausschauende Träger sollten frühzeitig einen größeren Verbund anstreben, um ihr Leistungsportfolio zu optimieren, um Kosten zu sparen und um der wachsenden Einkaufsmacht der Krankenversicherungen wirkungsvoll entgegentreten zu können.

MEDICA.de; Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.