Trend zu ungesunden Arbeitszeiten

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Doktor Hartmut Seifert von der Hans-Böckler-Stiftung. Die aktuellsten verfügbaren Daten zur Arbeitszeitentwicklung wertete er dafür aus. "Sollten sich die Arbeitszeittrends der letzten Jahre fortsetzen, werden sich die Bedingungen für einen längeren Verbleib im Berufsleben verschlechtern", sagt Seifert.

Jeder sechste Neu-Rentner ging 2006 wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in den Ruhestand. Die arbeitsmedizinische Forschung zeige, dass vor allem die Trends zu sehr langer und atypisch gelegener Arbeitszeit während der Nacht und im Schichtbetrieb höhere Belastungen mit sich bringen, so Seifert. Beide Arbeitszeitkonstellationen breiten sich kontinuierlich aus.

Wer eine Vollzeitstelle hat, arbeitet zunehmend länger, zeigt die Analyse. Von 2002 bis 2007 stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit um etwa 40 Minuten auf 40,3 Stunden. Fast jeder Dritte leistet 42 und mehr Stunden - obwohl die Effizienz nach der achten Arbeitsstunde laut Arbeitsmedizinern deutlich abnehme und das Unfallrisiko steige, erklärt Seifert.

Seit den 90er-Jahren wächst der Anteil der Beschäftigten mit Wechselschichten spürbar. 16 Prozent der Beschäftigten arbeiten nachts, 17 Prozent im Schichtdienst. 1991 waren es jeweils 13 Prozent. Damit sind Risiken verbunden: "Nachtarbeit und Wechselschichtarbeit gefährden die Gesundheit. Schlafstörungen, Magen- und Verdauungsbeschwerden oder Herzschmerzen treten häufiger auf als bei Beschäftigten mit Normalarbeitszeit, die durchschnittliche Krankheitsdauer ist länger", fasst Seifert die Befunde von Arbeitsmedizinern zusammen. Die Daten aus der Arbeitszeitstatistik machen deutlich, dass zahlreiche Beschäftigte bis ins mittlere Alter beziehungsweise während eines erheblichen Teils ihres Berufslebens unter derart belastenden Bedingungen arbeiten.

MEDICA.de; Quelle: Hans-Böckler-Stiftung