Trendanalyse zur Brustkrebssterblichkeit

Foto: Ältere Frau bei der Mammografie

Ein Mammografie-Screening-Programm
wird definiert als populationsbezogenes
Programm mit Einladungssystem für
Frauen in einer definierten Altersgruppe.
Die Länderpaare Nord-Irland/Republik
Irland; Niederlande/Belgien und Flan-
dern; Schweden/Norwegen wurden in
der Studie berücksichtigt; © panther-
media.net / Monkeybusiness Images

In der Analyse wurden Trends der Sterblichkeit (als prozentuale Abnahmen) verglichen und geschaut, ob sich in dem untersuchten Zeitraum statistisch signifikant ein Inflektionspunkt („Knick“) identifizieren ließ, von dem an die Sterblichkeitstrends in den Ländern deutlicher ausgeprägt waren. Es fand sich, dass die abnehmenden Trends bei der altersstandardisierten Brustkrebssterblichkeit wie auch die Inflektionspunkte innerhalb der drei Länderpaare ähnlich hoch war, obwohl in jeweils einem der beiden Länder ein Mammografie-Screening eingeführt worden war. Nach Ansicht der Autoren deutet dies darauf hin, dass das Screening keinen direkten Anteil an der Reduktion der Brustkrebssterblichkeit habe.

Die Studie von Autier et al. weist verschiedene Schwachpunkte auf, welche eine Interpretation der Resultate im Hinblick auf die Wirksamkeit des Mammografie-Screening-Programms erschweren.

Zum einen beruht die Analyse auf der Auswertung eines sehr langen Zeitraums von 17 Jahren, während dessen in jeweils einem Land aus den drei dargestellten Paaren ein Mammografie-Screening eingeführt wurde. Diese wurden stufenweise über mehrere Jahre eingeführt und hatten unterschiedlich hohe Beteiligungsraten. Über das Einsetzen einer Auswirkung auf die brustkrebsbedingte Sterblichkeit sind nach übereinstimmender Meinung aber erst nach circa 10 Jahren erste Aussagen möglich. Der gewählte Zeitraum war also vermutlich zu kurz.

Eine Betrachtung der Brustkrebsmortalität über alle Altersklassen ist unangemessen, weil sich Effekte bei Altersgruppen mit und ohne Screening vermischen; Resultate sind nicht mehr interpretierbar. Zwar berichten Autier et al. über die relevante Altersgruppe der 50 bis 69-Jährigen, aber diese erfolgt nur über die gesamte Periode. Auch die Analyse von „Knicks“ in den Trends erfolgte nur über alle Altersgruppen gemeinsam, sodass, neben der unzureichenden Berücksichtigung des verzögerten Einsetzens der Screeningeffekte, auch hier eine Vermischung mit Trends in anderen Altersgruppen erfolgte. Die Interpretation der Befunde ist deshalb im Hinblick auf eine Auswirkung des Mammografie-Screenings auf die Sterblichkeit nur sehr eingeschränkt möglich.

Das Ergebnis von Autier et al. steht im Gegensatz zu den jüngsten Ergebnissen des 29-Jahre-Langzeit-Follow-Up einer randomisierten Studie in Schweden (Tabar et al). Diese Studie ergab, dass sich die Brustkrebssterberate durch das Mammografie-Screening langfristig um etwa 30 Prozent senken ließ. Dort zeigte sich auch, dass die Reduktion der Sterblichkeit erst 10 Jahre nach Start des Programms einsetzte und dann im Verlauf der Zeit zunahm. Dieser wichtige Aspekt wird in der Trendanalyse von Autier et al. weitgehend vernachlässigt.

Abschließend sollte man festhalten, dass epidemiologische Beobachtungsstudien von ihrer Anlage her für vielfältige Formen von Verzerrungen anfällig sind. Ihre Interpretation sollte deshalb stets mit einer angemessenen Zurückhaltung erfolgen – insbesondere wenn randomisierte, kontrollierte Studien eine Wirksamkeit des Mammografie-Screenings belegen.


MEDICA.de; Quelle: Kooperationsgemeinschaft Mammographie