Wenn Schwangere Alkohol trinken, schädigen sie nicht selten ihr Baby körperlich nachhaltig. Dies ist in zahlreichen Studien bewiesen. Schwieriger wird es mit den Verhaltensauffälligkeiten von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft tranken. Solche Studien werden durch die Familienverhältnisse erschwert, so dass nicht klar ist, ob Verhaltensauffälligkeiten das Ergebnis der schwierigen Familiensituation oder des Alkoholmissbrauchs der Mutter während der Schwangerschaft sind.

Neue und besser kontrollierte Daten kommen jetzt aus den beiden Langzeitstudien „National Longitudinal Survey of Youth“ und „Children of the National Longitudinal Survey of Youth“. Basierend auf deren Daten haben die Wissenschaftler untersucht, inwiefern sich pränataler Alkoholkonsum auf Verhaltensauffälligkeiten von Kindern auswirkt.

Daten von 4.912 Müttern und ihren 8.621 Kindern flossen in diese Untersuchung mit ein. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Kinder, die pränatal Alkohol ausgesetzt waren, signifikant häufiger im Alter von vier bi elf Jahren an Aufmerksamkeitsstörungen litten und Probleme mit ihrer Impulskontrolle hatten.

Dabei gibt es offenbar keine „Dosis-Wirkungs-Beziehung“. Denn Kinder, deren Mütter exzessiv während der Schwangerschaft tranken, hatten keine stärkeren Probleme als Kinder, deren Mütter „nur“ ein bisschen Alkohol getrunken hatten.

Zweifel gibt es aber daran, ob der Alkoholkonsum die Ursache für die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder sind. Als die Wissenschaftler die Daten der Mütter weiter analysierten, zeigte sich, dass viele von ihnen nicht nur Alkohol während der Schwangerschaft getrunken hatten, sondern auch andere schädliche Substanzen zu sich nahmen wie etwa Kokain, Marihuana oder auch Nikotin. Wahrscheinlich, so schreiben die Studienleiter, sind die Verhaltensauffälligkeiten eher das Ergebnis dieses Beikonsums neben dem Alkohol und weniger des Alkohols selbst.

MEDICA.de; Quelle: Archives of General Psychiatry 2007, Vol. 64, S. 1296-1304