Amerikanische Wissenschaftler haben kürzlich auf der „International Conference on Emerging Infectious Diseases 2008“ Fallbeispiele vorgestellt, wie durch Organtransplantation eine disseminierte Tuberkulose auf Transplantatempfänger übertragen wurde. Dies ist nach ihren Angaben das erste Mal, dass ein solcher Fall durch Genotypisierung bei Spender und Empfänger nachgewiesen wurde.

Im vorliegenden Fall ging es um die Organe eines wohnsitzlosen Mannes mit Alkoholerkrankung, der wegen einer zerebralen Vaskulitis behandelt worden war. Bei ihm war keine Tuberkulose bekannt und der Tuberkulintest negativ.

Leber und beide Nieren des Mannes wurden an drei Empfänger übertragen. Einer der Patienten, welche eine Niere erhalten hatten, starb nach der Operation. Bei dem anderen Nierenempfänger entwickelte sich eine disseminierte Tuberkulose. Erstaunlicherweise hatte der Empfänger der Leber aber keine Probleme in Bezug auf eine Tuberkulose.

Experten kommentierten beim Kongress, Ärzte sollten bei Transplantationen das Problem einer möglichen Tuberkulose nicht unterschätzen und im Auge behalten. Bei einem potentiellen Organspender sollte man nach Tuberkulose-Risikofaktoren Ausschau halten und gegebenenfalls mit Tests eine Tuberkulose zweifelsfrei ausschließen.

Bei den Empfängern eines solchen Organs ist eine Tuberkulose häufig nur schlecht zu erkennen, weil solche Patienten immunsupprimiert sind, was die Symptome einer Tuberkulose bei solchen Patienten verschleiern kann. Zum Beispiel ist es möglich, dass Patienten, die eine tuberkulöse Niere erhalten, lediglich Fieber entwickeln und nicht die klassischen Beschwerden einer Tuberkulose wie Husten. Auf jeden Fall sollte die Kommunikation zwischen den behandelnden Ärzten des Organspenders und des Empfängers gut funktionieren, um im Falle einer Infektion sofort Maßnahmen ergreifen zu können.

MEDICA.de; Quelle: International Conference on Emerging Infectious Diseases 2008 Slide Session J3