Foto: Innenansicht Darm, Quelle: Fotolia

Typ 2-Diabetes: Endoskopisches Verfahren als Hoffnungsträger?

Fast acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes mellitus, 90 Prozent davon an einem Typ-2-Diabetes. Bei nahezu der Hälfte der Patienten ist der Diabetes unzureichend eingestellt, trotz der zahlreichen zur Verfügung stehenden medikamentösen Maßnahmen. Neue Hoffnung liegt nach einer Pilotstudie auf einem endoskopischen Verfahren, bei dem die Schleimhaut im Zwölffingerdarm verschorft wird. Endoskope gibt es in der Medizin bereits seit 165 Jahren. Was sie heute ermöglichen, nach ihrer Entwicklung vom rein diagnostischen zum interventionellen Instrument, und was das für Diabetespatienten bedeuten könnte, darüber informiert die MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015. Sie findet vom 16. bis 19. November in Düsseldorf statt.

„Dem neuen endoskopischen Verfahren geht die Beobachtung voraus, dass fettleibige Menschen mit Typ-2-Diabetes, die durch eine Bypass-Operation abnehmen wollen, nicht nur ihr Körpergewicht, sondern auch ihren Diabetes verlieren“, sagt Professor Dr. med. Horst Neuhaus, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf. Bei einer Bypass-Operation verbindet der Chirurg den Magen direkt mit dem oberen Dünndarm. Der Speisebrei fließt dann am Zwölffingerdarm vorbei, der in einer Schlinge blind endet. „Bei den meisten Patienten normalisiert sich der Blutzucker, noch bevor sie wesentlich an Gewicht verlieren“, berichtet der Experte. Die genauen Zusammenhänge seien nicht bekannt. „Hormone, die beim Durchtritt des Speisebreis in der Schleimhaut des Zwölffingerdarms gebildet werden, spielen aber offenbar eine wichtige Rolle“, sagt Professor Neuhaus: „Diese sogenannten Inkretine regen in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin an, was längerfristig zu einem Wirkungsverlust von Insulin führt.“ Diese Insulinresistenz ist die Ursache des Typ 2-Diabetes.

Um die übermäßige Freisetzung stoffwechselaktiver Hormone aus der Schleimhaut des Zwölffingerdarmes zu verhindern, könnten Ärzte in Zukunft auf einen nicht-operativer Eingriff setzen. Dafür hat eine US-Firma einen speziellen Ballon entwickelt. „Dieser Ballon wird mit einem Endoskop, wie es auch zur Magenspiegelung verwendet wird, durch den Zwölffingerdarm geschoben“, erläutert Professor Neuhaus. „Durch eine kurzzeitige Erhitzung wird dabei die Schleimhaut verschorft, während tiefer liegende Schichten der Darmwand verschont bleiben.“ Das Verfahren, das die Erfinder als „Erneuerung der Schleimhaut im Zwölffingerdarm“ bezeichnen, ist bereits in einer ersten Pilotstudie an einer Klinik in Chile an 30 Patienten erprobt worden. Die Ergebnisse waren laut des Experten vielversprechend. „Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c sank von 9,2 Prozent auf 7,1 Prozent, was die Wirkung der meisten Blutzucker senkenden Medikamente übertrifft.“ Mehr noch: Die Wirkung scheint längerfristig anzuhalten, so dass die Behandlung möglicherweise nur selten wiederholt werden müsste.

Das neue Verfahren wird derzeit an mehreren klinischen Zentren in Europa überprüft. Neben dem Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf beteiligen sich zwei weitere deutsche Kliniken an der Studie. Der Ausgang der Studie lasse sich zwar noch nicht vorhersagen, so Professor Neuhaus. Wenn sich die Ergebnisse der Pilotstudie jedoch bestätigen sollten, könnte das innovative Therapiekonzept für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes infrage kommen. Die Fallzahl ist laut Prof. Neuhaus im letzten Jahrzehnt um mehr als 40 Prozent angestiegen: „Deutschland liegt hier in Europa mittlerweile an der Spitze.“

Über weitere medizintechnische Erfindungen und ihre Bedeutung für die Patienten diskutieren Experten am Thementag Bildgebung, Endoskopie und Interventionen am Dienstag, den 17. November 2015 auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015, die während der Weltmesse für Medizintechnik, der MEDICA, stattfindet. Weitere Informationen dazu unter www.medica.de/mec1 und www.medica.de

Bei Abdruck Beleg erbeten.

Quelle:
http://www.ifso2014.com/temp/20148133494/IFSO2014_AbstractVolume.pdf
Abstract OS20.03, Seite 65


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Düsseldorf, Mai 2015