Ultraschall erkennt Hernien-Komplikation

Leistenbrüche gehören, insbesondere bei Männern, weltweit zu den häufigsten Erkrankungen: Bei einer „Inguinal-Hernie“ drängen Teile der Eingeweide in den Leistenkanal. Verklemmen sie sich dort, können Darmschlingen absterben. „Dies ist eine lebensgefährliche, aber sehr seltene Komplikation”, berichtet Doktor Helmar Gai aus Hamburg. Von außen sei der Beule in der Leiste nicht anzusehen, ob sie für den Patienten zum Risiko werden kann, erläutert Gai: „Selbst Computer- oder Kernspintomografie helfen in der Regel nicht weiter, da sie nur Momentaufnahmen liefern.” Bei einer Ultraschalluntersuchung dagegen könne der Arzt beobachten, wie sich die Hernie verändert, wenn der Patient durch Pressen den Druck im Bauchraum erhöht.

Eine Studie der Klinik Fleetinsel an mehr als 7000 Patienten zeigt, dass die Form der Hernie in der Ultraschalluntersuchung eine gute Risikoabschätzung ermöglicht. Gai unterscheidet drei Formen: Bei etwa einem Viertel der Patienten zeige sich auch im Ultraschallbild nur eine einfache Beule. „Diese Patienten müssen nicht operiert werden, solange sie keine oder nur sehr geringe Beschwerden haben. Sie müssen sich auch nicht körperlich einschränken. Wir raten ihnen nur, ruckartige Bewegungen bei gleichzeitiger starker Anspannung der Bauchdecke zu vermeiden.” Bei mehr als der Hälfte der Patienten hat die Hernie eine röhrenförmige Ausdehnung angenommen. Auch hier ist laut Gai bei Beschwerdefreiheit eine Operation nicht erforderlich, solange keine Darmschlingen in die Hernie vordringen. Nur bei sanduhrförmigen Hernien müsse grundsätzlich operiert werden. Dies ist bei weniger als einem Viertel aller Patienten der Fall.

„Diese Ultraschalluntersuchung kann innerhalb weniger Minuten durchgeführt werden. Sie belastet den Patienten nicht und ist wesentlich kostengünstiger als CT oder Kernspin.” Nach Schätzung des Experten könnten durch Ultraschalluntersuchungen in Deutschland jedes Jahr 25.000 bis 30.000 Hernienoperationen vermieden werden.


MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)