Neurologie: Ultraschall lindert Tremor-Symptome

17/05/2013
Foto: Bild des Gehirns

Ultraschall kann die Symptome des es-
sentiellen Tremors durch die Erhi-
tzung einer winzigen Gehirnregion lin-
dern. Bildgebung unterstützt die Proze-
dur; © panthermedia.net/Katrina Brown

In einer Machbarkeitsstudie für ein gänzlich neues Verfahren ist es erstmals gelungen, eine der häufigsten Bewegungsstörungen – den essenziellen Tremor – im Gehirn durch die äußerliche Anwendung von Ultraschallwellen erfolgreich zu behandeln.

Bei dem Verfahren konzentrierten kanadische Neurochirurgen Ultraschall aus 1024 Schallgebern mithilfe der Magnetresonanztomographie auf einen nur zwei Millimeter großen Bereich im Zwischenhirn (Nucleus ventrointermedius internus, Vim) und erhitzten diesen auf etwa 60 Grad. Vim wurde jeweils nur auf einer Seite des Gehirns ausgeschaltet, wodurch das Zittern der Hände auf der anderen, kontralateralen Körperseite nach einem Monat um nahezu 90 Prozent abnahm. Auch drei Monate nach der Behandlung betrug die Verbesserung im Durchschnitt noch mehr als 80 Prozent. „Ähnliche Erfolge werden bislang nur mit der Tiefen Hirnstimulation oder der invasiven Thermokoagulation erzielt“, erklärt Professor Günther Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

„Es handelt sich um eine interessante Machbarkeitsstudie, die zeigt, dass ein völlig neues Läsionsprinzip in diesen Fällen wirksam ist“, so Deuschl. „Allerdings sind mögliche Nebenwirkungen wie lokale Blutungen oder sich postoperativ ausdehnende Läsionen nach nur vier Patienten noch nicht einschätzbar. Auch hat die Methode den Nachteil, dass eine Inaktivierung des Gewebes nicht reversibel ist, wie bei der Tiefen Hirnstimulation, und es ist noch unbekannt, wie zielgenau das Verfahren ist.“ Es sei aber ein neues Therapieprinzip, dessen Entwicklung man aufmerksam beobachten sollte.

Die Methode von Professor Andres M. Lozano von der Universität Toronto erfordert keine Öffnung des Schädels. Die Patienten, bei denen Medikamente keine Wirkung gezeigt hatten, lagen bei der Prozedur wach in einem Magnetresonanztomographen (MRT), der das Zielgebiet des Vim darstellte. Gleichzeitig war ihr Kopf mit einer stereotaktischen Apparatur verbunden, die von 1024 Positionen aus Ultraschallwellen durch den Schädel auf den Zielpunkt sendete, sodass sich im Schnittpunkt dieser Wellen das Gewebe erhitzte und inaktiviert wurde. Die Temperatur dort wurde ebenfalls mithilfe des MRT kontrolliert und von anfänglich 44 Grad auf bis zu 63 Grad gesteigert, während die Patienten wiederholt hinsichtlich Wirkung und Nebenwirkungen getestet wurden. Unmittelbar nacheinander erhielten die Patienten zwischen 12 und 29 Beschallungszyklen, bis das Zittern in dem betroffenen Arm fast vollständig verschwunden war. „Die Patienten zeigten eine unmittelbare und anhaltende Verbesserung beim Zittern der dominanten Hand“, berichten Lozano und Kollegen und belegen dies unter anderem mit gezeichneten Spiralen, die vor und nach der Behandlung angefertigt wurden.

Bereits verlorene Fähigkeiten, wie den Namen zu schreiben oder ohne Strohhalm aus einer Tasse zu trinken, kehrten nach der Behandlung wieder zurück. Auch die neue Prozedur der MRT-geleiteten Ultraschall-Thalamotomie ist nicht frei von Nebenwirkungen: Ein Patient hatte Missempfindungen in Daumen und Zeigefinger, die auch nach drei Monaten nicht verschwanden, ein weiterer erlitt während der etwa sechsstündigen Prozedur eine tiefe Venenthrombose, die drei Monate lang mit Arzneien behandelt werden musste.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.