Aktuelle Schlaganfall-Richtlinien sagen, dass ein systolischer Blutdruck von 200 bis 220 mmHg nach einem akuten Schlaganfall behandelt werden sollte, wenn die Patienten innerhalb von 24 Stunden nach dem Insult stabil sind. Vielfach jedoch ist die Behandlung einer Hypertonie nach Schlaganfall in das Ermessen eines jeden Arztes gestellt.

Wertvolle Daten zur Frage, ob und wann ein hoher Blutdruck nach Schlaganfall zu behandeln ist, kommt von der „Control of Hypertension and Hypotension Immediately Post Stroke (CHIPPS)“-Studie, die jetzt beim Jahreskongress der American Stroke Association's (ASA's) International Stroke Conference 2008 vorgestellt wurde.

179 Patienten nahmen daran teil. Alle hatten innerhalb von 36 Stunden zuvor einen ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall erlitten und litten unter systolischen Blutdruckwerten von 160 mmHg oder mehr. Randomisiert erhielten sie entweder den ACE-Hemmer Lisinopril oder den Wirkstoff Labetalol beziehungsweise Placebo. Zielwert waren 145 bis 155 mmHg oder ein Abfall des systolischen Blutdrucks von mindestens 15 mmHg.

In den beiden aktiv behandelten Gruppen fiel der Blutdruck stärker als in der Placebogruppe, und zwar sowohl in den ersten 24 Stunden als auch nach zwei Wochen: minus 21 mmHg versus minus elf mmHg beziehungsweise minus 31 mmHg versus minus 24 mmHg.

Zwei Monate nach Beginn der Studie war die Zahl der Toten beziehungsweise Pflegebedürftigen in den beiden aktiven Gruppen beziehungsweise in der Placebogruppe vergleichbar hoch. Besser dann das Ergebnis nach drei Monaten: In beiden Wirkstoffgruppen war die Mortalität deutlich geringer, und zwar um rund die Hälfte im Vergleich zu Placebo. Dies wurde nicht durch höhere Nebenwirkungen erkauft als unter Placebo.

MEDICA.de; Quelle: International Stroke Conference 2008 Abstract LB2