Unfallchirurgen spannen Notfallnetz über ganz Deutschland

14.10.2015
Foto: Rettungssanitäter im Krankenwagen mit Patientin

Jährlich erleiden in Deutschland circa 35.000 Menschen schwere Verletzungen, deren Rettung und Behandlung ein Wettlauf gegen die Zeit ist, bei dem alles stimmen muss.; © panthermedia.net/Arne Trautmann

Der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) ist innerhalb von zehn Jahren mit der Initiative TraumaNetzwerk DGU® die Etablierung einer bundesweiten Schwerverletztenversorgung gelungen. Rund 600 Traumazentren erfüllen die Qualitätsvorgaben und sind in 51 zertifizierten TraumaNetzwerken (TNW) zusammengeschlossen.

"Damit bietet die deutsche Unfallchirurgie flächendeckend, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr eine leistungsstarke Versorgung Schwerverletzter. Dieses System ist weltweit bisher einzigartig", sagt DGU-Generalsekretär Prof. Reinhard Hoffmann.

Jährlich erleiden in Deutschland circa 35.000 Menschen schwere Verletzungen. Ihre Rettung und Behandlung ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem alles stimmen muss. Im Jahr 2006 schrieben Unfallchirurgen die optimalen Bedingungen für die Versorgung von Schwerverletzten im Weißbuch Schwerverletztenversorgung fest und gründeten die Initiative TraumaNetzwerk DGU®. Damit sollten die unterschiedlichen Behandlungskonzepte und die Ausstattung in den Unfallkliniken standardisiert werden. Ziel ist es, jedem Schwerverletzten bestmögliche Überlebenschancen zu bieten und auch außerhalb von Ballungszentren eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Die Teilnahme der Kliniken an der Initiative führte zu Änderungen in deren Organisations- und Personalstrukturen. Zudem wurde die Ausstattung bei vielen optimiert.

Die Kliniken werden bei der Qualitätsprüfung in Form einer Vor-Ort-Begehung durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle entsprechend ihrer Ausstattung und Kompetenz in drei Gruppen eingeteilt. Überregionale Traumazentren verfügen über die Kompetenz zur Behandlung besonders schwerer, komplexer oder seltener Verletzungen. Dazu zählen beispielsweise Verletzungen der Hauptschlagader, Replantation abgetrennter Gliedmaßen oder schwere Gesichtsverletzungen. Die regionalen bieten eine umfassende Notfallversorgung in einem breiten Leistungsspektrum, so beispielsweise auch die Behandlung schwerer Schädel-Hirn-Verletzungen. Die lokalen hingegen sichern die unfallchirurgische Grund-und Regelversorgung ab. Um regional eine bestmögliche Versorgung zu sichern, kooperieren die Zentren verschiedener Versorgungsstufen innerhalb eines TNWs. Durchschnittlich bestehen sie aus 14 Kliniken mit acht lokalen, vier regionalen und zwei überregionalen Traumazentren. Das Notfallnetz gewährleistet, dass der Rettungsdienst einen Notfall-Behandlungsraum innerhalb von 30 Minuten erreichen kann – nicht nur in Ballungszentren, sondern auch in dünn besiedelten Gebieten. Das ist insbesondere für lebensgefährlich Verletzte wichtig. Sobald die Klinik-Ärzte den Patienten stabilisiert und außer Lebensgefahr gebracht haben, kann er im Bedarfsfall weiterverlegt werden. Die Kriterien für die Aufnahme und Weiterverlegung innerhalb eines TNW sind durch Kooperationsverträge klar geregelt und ersparen in zeitkritischen Situationen aufwendige Absprachen. Sie werden in TNW-Qualitätszirkeln regelmäßig überprüft. An diesen nimmt auch der Rettungsdienst teil, der eine wichtige Funktion bei der Auswahl einer geeigneten Klinik übernimmt.

Zur Überprüfung ihrer Behandlungsprozesse erfassen die Traumazentren anonymisierte Patientendaten im TraumaRegister DGU® (TR). Über den Jahresbericht erhalten die Kliniken jedes Jahr eine Rückmeldung über ihre Leistung. Neben der allgemeinen Qualitätssicherung gibt es zudem Antworten auf wissenschaftliche Fragestellungen zur Fehlervermeidung, Erhöhung der Patientensicherheit und Verbesserung des Behandlungsergebnisses.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V.

Mehr über das DGU Traumanetzwerk unter: www.dgu-traumanetzwerk.de