Unfruchtbar durch Infektionen

Foto: Grafik von Eizelle und Spermien

Ungewollte Kinderlosigkeit kann
viele Ursachen haben; © SXC

Beim Mann ist zwar bekannt, dass etwa 15 Prozent aller Fälle von Unfruchtbarkeit auf Entzündungen und Infekte der Geschlechtsorgane zurückgeführt werden können, allerdings war bislang unklar, wie es dazu kommt. Wissenschaftler der Universitäten Gießen und Rennes, Frankreich, bringen nun Licht ins Dunkel.

Der Hoden besitzt einen immunologischen Sonderstatus, weil er Immunreaktionen unterdrückt, um zu verhindern, dass die männlichen Keimzellen, die während der Pubertät erstmals gebildet werden, vom eigenen Immunsystem erkannt und bekämpft werden. Dieser als Immunprivileg bezeichnete Zustand wird besonders dadurch deutlich, dass Organtransplantate, die unter die Hodenhülle verpflanzt werden, nicht oder nur sehr langsam abgestoßen werden. Auf der anderen Seite wäre es aber fatal, wenn sich der Hoden gegen bakterielle oder virale Infekte nicht wirksam schützen könnte.

Bakterien präsentieren auf ihrer Oberfläche Moleküle, die von Körperzellen durch so genannte Toll-ähnliche Rezeptoren erkannt werden, die daraufhin eine Immunantwort gegen den Erreger auslösen. In Untersuchungen wurde nun deutlich, dass die unterschiedlichen Zelltypen des Hodens verschiedene Toll-ähnliche Rezeptoren aufweisen. Aus dem Urogenitalbereich isolierte pathogene E. coli Bakterien können jedoch aktiv eine typische entzündungsfördernde, anti-bakterielle Immunantwort der Hodenzellen trotz Erkennung der bakteriellen Oberflächenmoleküle unterdrücken.

Stattdessen werden die Zellen umprogrammiert und bilden Botenstoffe, die typisch für einen viralen Infekt sind, bei der Bekämpfung von Bakterien aber nicht sehr effektiv sind. Auf diese Weise gelingt es den Bakterien eine wirksame Immunantwort der Hodenzellen gegen sich abzumildern oder gänzlich zu unterbinden, so dass sie sich weitgehend ungehindert vermehren können.

In weiteren Untersuchungen soll geklärt werden, wie die Bakterien in den Hoden gelangen und welche Störungen sie dort auslösen, die letztlich Ursache der Infertilität sind.

MEDICA.de; Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen