In der menschlichen Gesellschaft gibt es ein Gefühl für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Sogar bei Affen konnte man feststellen, dass sie negativ auf Ungerechtigkeiten innerhalb ihrer Gruppe reagieren. In menschlichen Gesellschaften ist gerade die Arbeitswelt mit ihren starken Abhängigkeiten anfällig für Ungerechtigkeiten. Ein Indikator für Gerechtigkeit am Arbeitsplatz ist die Frage, ob Untergebene das Gefühl haben, dass ihr Vorgesetzter ihre Standpunkte versteht, wichtige Informationen mitteilt und Mitarbeiter gerecht und vertrauensvoll behandelt. Ein hohes Maß an Gerechtigkeit kann nachgewiesenermaßen die Motivation erhöhen. Ob Gerechtigkeit beziehungsweise Ungerechtigkeit aber auch die Gesundheit beeinflusst, wurde bislang noch kaum untersucht.

Dieser Frage widmete sich nun ein Untersuchung mit 6.442 britischen Angestellten im öffentlichen Dienst. Alle waren Männer und zwischen 35 und 55 Jahre alt. Zu Beginn der Studie zwischen 1985 und 1988 zeigte keiner der Männer Anzeichen einer Koronaren Herzkrankheit (KHK). Die Studienleiter erhoben von den Männern nicht nur die bekannten Risikofaktoren, sondern fragten mittels eines Fragebogens nach der Arbeitszufriedenheit, speziell nach gerechten Arbeitsbedingungen.

Während des Nachbeobachtungszeitraums von durchschnittlich 8,7 Jahren zeigte sich, dass Männer, die sich über ein hohes Maß an Gerechtigkeit an ihrem Arbeitsplatz freuen konnten, signifikant weniger anfällig für eine KHK sind als jene Männer, die sich über Ungerechtigkeiten ärgern müssen: In der Gruppe „hohes Maß an Gerechtigkeit“ lag das KHK-Risiko konkret um 35 Prozent niedriger als in der Gruppe „durchschnittliche Gerechtigkeit“ und „wenig Gerechtigkeit am Arbeitsplatz“.

Dieser Zusammenhang ist unabhängig vom Lipidstatus, Body Mass Index, Hypertonie, Rauchen und körperlicher Bewegung.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2005, Vol. 165, S. 2245-2251