Uniklinik setzt auf künstlichen Patienten

Verzeiht noch alle Kunstfehler: der
künstliche Patient
© Kuhnigk

Diese lebensgroße Übungspuppe ist einem Menschen nachgebildet und voll gepackt mit Elektronik und Feinmechanik. An ihr lernen die Würzburger Medizinstudenten in einem Operationssaal an einem voll funktionsfähigen Narkosearbeitsplatz, wie eine Narkose sicher und für den Patienten komfortabel durchgeführt wird.

Der künstliche Patient wird von Computern gesteuert. Diese ermöglichen es, die Puppe wie einen alten oder jungen, kranken oder gesunden Menschen reagieren zu lassen. Es können auch vorbestehende Krankheitsbilder und akut auftretende Notfallsituationen simuliert werden. Auf welche Weise die Studierenden die Puppe versorgen, wird automatisch dokumentiert und zudem mit einer Videoanlage aufgezeichnet.

Seit diesem Wintersemester können alle Studenten eines Semesters während des Seminars "Anästhesiologie und operative Intensivmedizin" eine Narkose am Simulator durchführen - auch wenn sie später in anderen Bereichen der Medizin tätig sein wollen.

"Als Dozent merkt man, wie das Verständnis für die Lehrinhalte durch die praxisnahe Ausbildung deutlich wächst", freuen sich Dr. Mathias Kilian und Dr. Gerd Wettengel, die die ersten Studenten unterrichtet haben.

Immer weniger Medizinstudenten ergreifen nach dem Studium den Beruf des Arztes und arbeiten stattdessen in anderen Berufsfeldern, die attraktiver erscheinen. "Gründe dafür sind der Kostendruck und die Ökonomisierung der Arbeitsabläufe in den Kliniken, wodurch die Ausbildung von Studenten und jungen Ärzten wirtschaftlich immer unattraktiver wird", so Professor Roewer.

Das Würzburger Uniklinikum beschreite den gegenteiligen Weg, um den angehenden Medizinern die Klinikarbeit wieder schmackhaft zu machen: Genauso wie Spitzenleistung in der Forschung gefördert wird, soll auch die medizinische Ausbildung der Studenten auf höchstem Niveau stattfinden.

MEDICA.de; Quelle: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg