"Unsichere Abtreibungen" (unsafe abortions) sind nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO solche Eingriffe, die entweder von medizinisch unqualifizierten Personen vorgenommen werden oder in einer Umgebung ohne adäquaten medizinischen Standard.

Experten schätzen, dass in den Entwicklungsländern viele der gynäkologischen Notfalleinlieferungen auf solche verpfuschten Abtreibungsversuche zurückzuführen sind. Unsichere Abtreibungen können daher nicht nur den betroffenen Frauen schaden, sondern binden auch Ressourcen der jeweiligen Gesundheitssysteme, sind teuer und verursachen volkswirtschaftliche Schäden.

Wissenschaftler haben daher nun für 13 Entwicklungsländer die Zahl der Krankenhauseinlieferungen als Folge unsicherer Abtreibungen geschätzt. Demnach ist die Zahl von unseriösen Abtreibungen unter allen untersuchten Ländern in Bangladesh offenbar am geringsten: Nur drei von 1.000 Frauen, die pro Jahr aus gynäkologischer Indikation in ein Krankenhaus eingeliefert werden, leiden an den Komplikationen einer fehlgeschlagenen Abtreibung.

In Ägypten und Uganda sollen die Zahlen mit 15 pro 1.000 Frauen am höchsten sein. Nigeria, Pakistan, und die Philippinen liegen mit vier bis sieben pro 1.000 Frauen im Mittelfeld. In absoluten Zahlen: Etwa fünf Millionen Frauen werden weltweit jährlich wegen einer fehlerhaften Abtreibung stationär behandelt. Dies entspricht einer Rate von fünf bis sieben Frauen pro 1.000 in den Entwicklungsländern. Zum Vergleich: In den westlichen Industrienationen sind Krankenhausaufenthalte wegen einer unsicheren Abtreibung sehr selten.

Die Studienleiter machen zwei Vorschläge, um die hohe Zahl betroffener Frauen zu senken: Zum einen müsste der Zugang zu Verhütungsmethoden verbessert werden, zum anderen auch die Möglichkeiten einer Abtreibung.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2006, Vol. 368, S. 1887-1892