Algorithmus: Unterscheidung von Melanomsubtypen

22/10/2013
Foto: Haut

Da sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen, soll der neue Algorithmus zwei bösartige Melanomsubtypen voneinander unterscheiden;
© panthermedia.net/Bernd Friedel

Forscher der Universität Ulm und der Columbia University haben einen diagnostischen Algorithmus zur Unterscheidung bösartiger Melanom-Subtypen entwickelt.

Äußerlich sehen sich das desmoplastische und das gefährlichere spindelzellige Melanom zum Verwechseln ähnlich: Sie sind nicht-pigmentiert und gleichen teilweise einer Narbe – und auch der histologische Befund bringt nicht immer Klarheit. Die Wissenschaftler haben Tumorproben auf bereits bekannte Biomarker untersucht und so den Algorithmus entwickelt, der eine Differentialdiagnose sichert.

Die Hauttumore sehen sich zwar zum Verwechseln ähnlich, Prognose und Therapie weichen jedoch voneinander ab. Die Studie haben die Wissenschaftler um Dr. Jochen Lennerz vom Ulmer Institut für Pathologie und die Doktorandin Stephanie Weißinger veröffentlicht.

Die untersuchten Melanom-Subtypen sind bisher unzureichend beachtet worden: Als nicht-pigmentierten Tumoren sind sie unscheinbar und ähneln kleinen Narben oder Einziehungen der Haut. Zudem gelten die Subtypen als selten. „Dabei sind spindelzellige Melanome, die am ganzen Körper vorkommen können und rasch streuen, auch bei kleinem Lokalbefund tödlich. Die Prognose bei desmoplastischen Melanomen ist deutlich günstiger“, erklärt Lennerz. Um die Subtypen auch bei unklarem histologischen Befund zuverlässig voneinander abzugrenzen, haben die Forscher 38 Tumorproben mit molekularbiologischen Testverfahren untersucht – darunter Expressionsanalysen, Fluoreszenz in situ Hybridisierungen, Immunohistochemie und Genotypisierungen. Im Zentrum stand die Suche nach 50 bereits bekannten Biomarkern.

Insgesamt konnten sie fünf spezifische Marker für spindelzellige Melanome und vier für desmoplastische Melanome identifizieren. In mehr als 90 Prozent der untersuchten Fälle ermöglichte der Nachweis des Biomarkers Melan A in Kombination mit der so genannten Trichromfärbung eine sichere Differentialdiagnose. „Wenige Marker reichen zur Unterscheidung aus – und einige waren wirklich sehr offensichtlich“, sagt Stephanie Weißinger.

An einer separaten Kohorte hat eine ausgewiesene Expertengruppe der Columbia University (New York, USA) um Prof. David Silvers den Algorithmus der Ulmer Forscher geprüft und bestätigt. Nebenprodukt der Studie ist eine neue Technik zur Expressionsanalyse kleiner und seltener Tumorproben. Zudem haben die Forscher molekulare Veränderungen in den Proben gefunden – teilweise mit direkter Relevanz für die Therapie.

MEDICA.de; Quelle: Universität Ulm