Obwohl Vertragsärzte verschiedener Gebiete wichtige Funktionen für den Zugang von chronisch Kranken zur medizinischen Rehabilitation haben, ist wenig darüber bekannt, wie sie den Bedarf an stationärer beziehungsweise ambulanter Rehabilitation, der Rehabilitationsziele, der einzelnen Verfahren der Rehabilitation und über Hinderungsgründe für eine Antragstellung denken. Diese Aspekte wurden deshalb am Beispiel der chronischen Polyarthritis (cP) als einer klar definierten und häufigen chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankung untersucht.

Alle niedergelassenen internistischen und orthopädischen Rheumatologen aus der Mitgliederkartei der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie sowie die über drei niedersächsische KV-Bezirksstellen ermittelten niedergelassenen 1.393 Allgemeinärzte, Internisten und Orthopäden wurden mit einem anonymen standardisierten Fragebogen schriftlich zu ihren Einstellungen gegenüber der Medizinischen Rehabilitation bei cP befragt. Der Rücklauf lag bei 39 Prozent.

Weniger als 20 Prozent der Ärzte sahen einen stationären beziehungsweise ambulanten Rehabilitationsbedarf bei zumindest der Hälfte ihrer cP-Patienten. Dagegen wurden einzelne Ziele beziehungsweise Verfahren der Rehabilitation hoch eingeschätzt, zum Beispiel die Funktionsverbesserung, Physiotherapie, Ergotherapie (durch alle Ärzte), Schmerzreduktion (weniger durch internistische Rheumatologen) und Patientenschulung (weniger durch Orthopäden). Unter den Hinderungsgründen wurden berufliche und finanzielle Probleme der Patienten am wichtigsten bewertet.

Gegenüber der zurückhaltenden Globaleinschätzung spiegeln die positiven Bewertungen zahlreicher konkreter Ziele und Verfahren der Rehabilitation einen hohen Bedarf bei eingeschränkten ambulanten Handlungsmöglichkeiten wider.

MEDICA.de; Quelle: Phys Rehab Kur Med 2006, Vol. 16, S. 9-16