Uro-Kodex: Urologen definieren Standards im Umgang mit Patientendaten

12.08.2016

Die moderne IT generiert tagtäglich riesige Mengen an Patientendaten: Big Data ist in aller Munde und bietet auch in der Medizin große Chancen, wertvolle Informationen abzuleiten. Bisher fehlt es aber an den notwendigen Voraussetzungen, um diffuse Datenmengen in häufig nicht miteinander kompatiblen Systemen für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung nutzbar zu machen.

Bild: Schriftbild Big Data, Mann mit Idee im Hintergrund; Copyright: Panthermedia.net/gustavofrazao

Die DGU hat mit dem sogenannten Uro-Kodex als erste Fachgesellschaft in Deutschland einen Leitfaden für den Umgang mit Patientendaten erarbeitet; © Panthermedia.net/gustavofrazao

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) hat diese Voraussetzungen nun in ihrem Fachbereich geschaffen und mit dem sogenannten Uro-Kodex als erste Fachgesellschaft in Deutschland einen Leitfaden für den Umgang mit Patientendaten erarbeitet. Dabei handelt es sich um einen Katalog von standardisierten Regeln zur datenschutzgerechten Speicherung und Nutzung von Behandlungsdaten und -dokumenten mit dem Ziel, eine Wissensdatenbank aufzubauen und valide Versorgungsforschung zu ermöglichen.

"Der Umgang mit sensiblen Patientendaten erfordert klare Regeln und Sicherheit vor allem mit Blick auf den Datenschutz. Deshalb war es für die Deutsche Gesellschaft für Urologie wichtig, hier voranzugehen und uns dieser Verantwortung zu stellen", sagt Prof. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der DGU.

"Bisher gibt es keine zentrale Vorgabe für Dokumentationsinhalte und deren Strukturierung. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass ohne standardisierte Regeln viele Ressourcen verschlingende Datensammlungen in den einzelnen Einrichtungen aufgebaut werden, die durch mangelnde Qualität bei z.B. mangelnder Quellensicherheit nicht wirklich nutzbar sind. Voraussetzung für eine einrichtungsübergreifende elektronische Nutzung ist deshalb eine indikationsspezifische standardisierte Patientendokumentation in den verschiedenen Versorgungsinstitutionen, wie wir sie nun für die Urologie definiert haben", sagt der Vorsitzende der WissensAkademie der DGU und Leiter der 2014 eingerichteten Arbeitsgruppe Dokumentationsleitfaden, Prof. Bernd Wullich.

Der Uro-Kodex, der den unterschiedlichsten Anforderungen von Wissenschaft und Gesetzgebung Rechnung trägt, wurde mit Unterstützung des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e. V. (BDU) und unter Beteiligung von Patientenorganisationen wie dem Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. entwickelt und soll dazu beitragen, die medizinische Dokumentation in Struktur, Inhalten und Prozessen systemunabhängig zu standardisieren. In der Folge können die Daten auch einer breiten Anwenderschaft zugänglich gemacht werden. Für Zertifizierung, Krebsregister, Onkologievereinbarung, kontinuierliche Nutzenbewertung und vieles mehr ist ein solcher Standard unabdingbar.

"Im weitesten Sinne bildet der Dokumentationskodex somit die systematische Ausgangsbasis für den Aufbau bzw. die Weiterentwicklung und Nutzung einer Wissensdatenbank als Grundlage für den globalen Wissenszugewinn im Fachgebiet Urologie. Darüber hinaus lassen sich mit dem Uro-Kodex zukünftig Verläufe und Behandlungsergebnisse nicht nur sehr viel besser dokumentieren, sondern er ermöglicht ebenso die flächendeckende valide Versorgungsforschung. Damit ebnet der Uro-Kodex den Weg zu einer evidenzbasierten, qualitätsgesicherten und prozessgesteuerten Gesundheitsversorgung in der Urologie", so Prof. Wullich weiter.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

Mehr über die DGU unter: www.urologenportal.de