Ursache des Nierenversagens bei Diabetes entschlüsselt

Für Diabetiker ein entscheidender
Prediktor: Gen CNDP1
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In der August-Ausgabe von "Diabetes" beschreiben Dr. Bart Janssen und seine Kollegen das sogenannte CNDP1-Gen auf Chromosom 18, das für die Bildung des Enzyms Carnosinase zuständig ist. Dieses Enzym spaltet das Mini-Eiweiß Carnosin. In Versuchen mit Nierenzellen konnte die Forschergruppe zeigen, dass ein hoher Anteil von Carnosin im Blut Nierenzellschäden verhindern kann.

"Viel Carnosin findet sich immer dann, wenn entsprechend wenig aufspaltende Carnosinase vorhanden ist", erklärt Dr. Janssen, der im Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Heidelberg arbeitet. In welchem Umfang das Enzym Carnosinase produziert und freigesetzt wird, hänge wiederum von der Anzahl und Kombination bestimmter Bausteine der Erbsubstanz, der DNA-Basen im Gen CNDP1 ab.

Bereits vor drei Jahren hatte Janssen zusammen mit den Nephrologen Dr. Irfan Vardarli und Prof. Dr. Fokko van der Woude gezeigt, dass eine Resistenz gegen Nierenschäden bei Diabetes erblich und auf dem Chromosom 18 lokalisiert ist.

Die Heidelberger Genetiker haben nun in Untersuchungen an Patienten festgestellt, dass es drei verschiedene Varianten dieses Gens gibt. Die längste Variante hat 2191 DNA Basen und ist wahrscheinlich die aktivste, das heißt: Es wird viel Enzym produziert. Die anderen Varianten sind nur 2188 und 2185 Basen groß.

Letztere Version - auch als „Mannheim-Variante“ bezeichnet - wird mit geringer Enzymproduktion assoziiert. Wie erwartet, wurde bei Trägern dieser Variante vergleichsweise viel Carnosin im Blut gemessen, das die Nieren schützt. Die Wissenschaftler stellten nun in einer klinischen Studie fest: Diabetiker ohne Nierenbeteiligung haben überwiegend die Mannheim-Variante des Gens; die längeren Gene finden sich hauptsächlich bei Patienten, die an diabetischer Nephropathie leiden.

Künftig wird es voraussichtlich möglich sein, mit einem Gentest das individuelle Risiko einer drohenden Nierenschädigung bei Diabetikern besser abzuschätzen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg