Ursachen der rheumatischen Herzkrankheit entdeckt

Foto: Zellen mit zerklüfteter anstatt glatter Oberfläche

Diese Streptokokken tragen die
Proteinsequenz PARF an ihrer
Oberfläche; © HZI

Am Anfang der Krankheitsgeschichte steht eine einfache Halsinfektion mit Streptokokken - kugelförmigen Bakterien, die für ganz unterschiedliche Infekte verantwortlich sein können. Aber nur ganz bestimmte Streptokokken-Typen lösen eine ganze Kette von Reaktionen im Köper aus, die letztlich zur lebensbedrohlichen rheumatischen Herzkrankheit führen. Diese Bakterien tragen eine spezielle Proteinsequenz, das so genannte PARF-Motiv, auf ihrer Oberfläche.

"PARF heißt 'Peptid assoziiert mit rheumatischem Fieber'", erklärt Patric Nitsche-Schmitz vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. "Es ist ein kleiner Abschnitt aus dem Protein auf der Streptokokkenoberfläche, mit dem Streptokokken sich an unsere Zellen heften und uns krank machen."

Besonders häufig entwickelt sich bei Kindern in Indien, Australien und Afrika aus den harmlosen Halsschmerzen rheumatisches Fieber. Der Grund: nicht ausreichende medizinische Behandlung.

Bekommen nämlich Kinder, die eine Streptokokken-Infektion im Hals haben, keine oder nicht ausreichend Antibiotika, heften sich die überlebenden Bakterien, die die PARF-Sequenz auf ihrer Oberfläche tragen, an ihr Kollagen. Kollagen ist im Körper allgegenwärtig - es gibt als Grundsubstanz in Knochen und Knorpel unserem Körper Form und Halt und stärkt durch seine hohe Zugfestigkeit das Bindegewebe in der Haut, den Herzklappen und den Blutgefäßen.

Heften sich nun die PARF-tragenden Streptokokken an das Kollagen, führt das das Immunsystem in die Irre und die körpereigene Abwehr richtet sich nicht nur gegen die Bakterien, sondern auch gegen gesundes und lebensnotwendiges Kollagen. Die Autoimmunerkrankung rheumatisches Fieber bricht aus. Wird auch diese nicht vollständig behandelt, folgt die rheumatische Herzkrankheit: Die besonders kollagenreichen Herzklappen entzünden sich und versagen den Dienst.

Insgesamt haben aber nur etwa fünf Prozent aller Halsinfektionen mit den kugelförmigen Bakterien eine Autoimmunerkrankung zur Folge. Um diese fünf Prozent herausfiltern und frühzeitig behandeln zu können, entwickeln die Braunschweiger Infektionsforscher einen einfachen Teststreifen, der auf das PARF-Motiv reagiert.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung