25/01/2012

VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

VDE stellt erste Normungs-Roadmap für altersgerechte Assistenzsysteme vor

Deutschland altert und wird bereits 2035 eine der ältesten Bevölkerungen weltweit haben. Damit verbunden ist ein deutliches Mehr an Pflegebedarf und Kosten. Entlastung bieten technische Assistenzsysteme – von Putzrobotern über Alarmsysteme bis hin zu telemedizinischen Systemen. Kommunen müssen deshalb rasch umsteuern und altengerechte Wohn- und Infrastrukturangebote aufbauen. Die Ausrüstung von Häusern und Wohnungen mit „smarten“ Assistenzsystemen und geräten (Ambient Assisted Living, kurz AAL) ist eine wichtige Voraussetzung für ein sicheres und komfortables Wohnen auch im hohen Alter. Die Technologien hierfür sind da. Allerdings liegt die Herausforderung in der Interoperabilität von Endgeräten. Damit sich Teilkomponenten vergleichen, kombinieren, austauschen und nachrüsten lassen, sind spezifische Normen und Standards erforderlich. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik im DIN und VDE (VDE|DKE) die Deutsche Normungs-Roadmap AAL erarbeitet – die erste ihrer Art weltweit. Die Roadmap soll die Entwicklung und Umsetzung von AAL-Anwendungen beschleunigen sowie Impulse für die internationale Normung geben und damit die gute Standortposition Deutschlands in diesem globalen Wachstumsmarkt stärken. Insbesondere können mit Hilfe der Normungs-Roadmap konkrete Defizite und Lücken im Bereich technische Assistenzsysteme und vor allem auch im Normungs- und Standardisierungsumfeld erkannt, analysiert und dann durch initiierte Normungsprojekte geschlossen werden. Interoperabilität ist die Voraussetzung dafür, dass AAL-Systeme sich auf dem Markt etablieren können.

Normen für einen globalen Wachstumsmarkt
Der demografische Wandel hin zu einer alternden Gesellschaft betrifft alle Industriestaaten. Entsprechend groß ist der Wachstumsmarkt für technische Assistenzsysteme und -produkte. Laut Data Monitor wird er allein in den USA und Europa auf bis zu 7,7 Milliarden USD im Jahr 2012 zulegen. Für Deutschland eröffnen sich beachtliche wirtschaftliche Chancen, nicht nur aufgrund der Einsparpotenziale im Gesundheitswesen. So nimmt die Bundesrepublik in allen relevanten Technologien bereits jetzt international eine gute Wettbewerbsposition ein – von der Elektro- und Medizintechnik über Automation, IKT-Systeme und RFID-Technologie bis zur Mikrosystemtechnik und Robotik. Deshalb empfiehlt die Normungs-Roadmap, möglichst schnell internationale Normen für technische Assistenzsysteme zu etablieren, um sie auf dem europäischen Binnenmarkt und darüber hinaus durchzusetzen. „Deutschland bietet sich angesichts seiner Vorreiterrolle in der Normung und seiner guten Technologieposition die Chance, AAL nicht nur für Deutschlands reife Gesellschaft, sondern auch für internationale Exporterfolge zu nutzen“, so VDE-Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Hans Heinz Zimmer heute auf dem 5. BMBF/VDE-AAL-Kongress in Berlin.

Interoperabilität und Qualität im Fokus
Normen und Standards, die erst eine kostengünstige, herstellerübergreifende Interoperabilität von Systemkomponenten ermöglichen, sind Voraussetzung für die Anwendung von intelligenten Assistenzsystemen in der Breite. Heute existieren AAL-Systemmodelle lediglich zu technisch und organisatorisch relativ einfachen Produkten. Auch im Produktivbetrieb kommt derzeit nur eine geringe Anzahl von Systemen und Plattformen unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz. Zukünftig aber werden die Anwendungen weitaus komplexer ausfallen. Entsprechend wichtig ist es, relevante Normen und Spezifikationen für AAL-Systeme und -Komponenten weiter bzw. neu zu entwickeln, Rahmenbedingungen – beispielsweise rechtliche Anforderungen des Datenschutz- und Medizinproduktegesetzes – zu diskutieren sowie heterogene Nutzeranforderungen und Anforderungen an Assistenzsysteme in unterschiedlichen Bereichen zu definieren.

Die Normungs-Roadmap dient somit der Koordinierung und Integration verschiedener Aktivitäten im AAL-Umfeld und vor allem unterschiedlicher Domänen. Sie unterstützt Hersteller und Entwickler beim Entwurf von Produkten und fördert sowohl das übergreifende Verständnis, als auch die Interoperabilität und Kompatibilität von AAL-Komponenten. Zusätzlich soll mit der Roadmap die Entwicklung von Integrationsprofilen für prototypische Anwendungsszenarien vorangetrieben werden.

Um den betreiberübergreifenden Betrieb von technischen Assistenzsystemen zu ermöglichen, empfehlen die Experten von VDE|DKE deshalb, Lücken im derzeitigen Normenwerk zu schließen. Dazu sind Regelungen zur Kooperation und Verteilung von Verantwortung zwischen den Beteiligten erforderlich. Für eine herstellerübergreifende Interoperabilität von Systemen und Komponenten sollen typische AAL-Systeme und Anwendungen identifiziert und die dafür notwendigen Komponenten, Schnittstellen und Datenformate genormt werden. Die Modellierung solcher typischen Anwendungsszenarien entspricht dem Konzept der Integrationsprofile, die in der Medizintechnik sehr erfolgreich eingesetzt werden, um die Interoperabilität komplexer heterogener IT-Systeme zu verbessern. Ein weiterer Punkt betrifft die Zertifizierung und Prüfsiegelvergabe. Zertifizierungen zur Qualitätssicherung sind der Normungs-Roadmap zufolge für Produkte, Anbieter sowie für Fachkräfte notwendig. Für Anbieter ist auch ein Datenschutzsiegel denkbar. Normungsbedarf sieht die Roadmap aber auch in terminologischer Hinsicht und empfiehlt die Definition von einheitlichen Fachbegriffen im AAL-Umfeld.

Nähere Informationen unter www.vde.com und www.dke.de