Vagusnerv reizen bringt dauerhafte Entlastung

Wenn eine Therapie nicht hilft,
dann vielleicht der Vagusnerv
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Die therapieresistente Depression ist schwierig zu behandeln. Selbst unter Elektrokrampftherapie erleiden die meisten der Patienten mit gebesserten Beschwerden binnen sechs Monaten einen Rückfall.

Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt bei 59 Patienten mit einer therapieresistenten Depression eine Stimulation des Vagusnervs versucht. Ziel war, die Werte auf der anerkannten „Hamilton Depression Rating Scale“ um mindestens die Hälfte zu senken. 72 Prozent jener Patienten, deren Beschwerden sich innerhalb von drei Monaten deutlich besserten, hatten auch nach zwölf Monaten noch ein gebessertes Befinden. 61,1 Prozent von ihnen fühlten sich sogar noch nach 24 Monaten deutlich besser als zu Beginn der Stimulation des Vagusnervs.

In einer zweiten Studie wurden 205 Patienten mit therapieresistenter Depression einer Stimulation des Vagusnervs unterzogen. 15 Prozent von ihnen reagierten innerhalb von drei Monaten positiv auf die Behandlung. Bei 31 Prozent setzte die Wirkung später als nach drei Monaten ein. Die Wirkung dauerte etwa ebenso lange an wie in der ersten Studie.

Offenbar hat die Stimulation des Vagusnervs noch einen zweiten positiven Aspekt: Sie senkt die Suizidalität der betroffenen Patienten. Selbst bei Patienten, deren Beschwerden sich gemäß Hamilton Depression Rating Scale nur um 30 oder 40 Prozent besserten, sank die Suizidalität deutlich und die Zahl und Dauer der stationären Behandlungen konnte verringert werden.

Nach Schätzungen leiden zehn bis 20 Prozent aller Patienten mit depressiven Beschwerden an einer therapieresistenten Depression. Amerikanische Behörden befürworten eine Stimulation des Vagusnervs erst dann, wenn mindesten vier verschiedene Therapieversuche gescheitert sind.

MEDICA.de; Quelle: American Psychiatric Association (APA): 2006 Annual Meeting