Vasopressin beeinflusst Fürsorge

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Das Hormon Oxytocin bekommt
Konkurrenz - Vasopressin soll
Fürsorge beeinflussen; © Pixelio.de

Bisher galt Oxytocin als "das" mütterliche Hormon, löst es doch während der Geburt die Wehen aus und ist für den Milchfluss beim Stillen verantwortlich. Darüber hinaus steuert Oxytocin als Botenstoff im Gehirn das mütterliche Fürsorgeverhalten. Aber gerade in dieser Rolle bekommt Oxytocin nun Konkurrenz durch das strukturell eng verwandte Neuropeptid Vasopressin. Dieses Hormon ist bislang vor allem bekannt als Regulator des Angstempfindens, des männlichen Sozialverhaltens und der Wasserausscheidung über die Nieren.

Wie Professor Inga Neumann und Doktor Oliver Bosch, Neurobiologen der Universität Regensburg, in ihrer neuesten Studie zeigen, kann Vasopressin das mütterliche Verhalten von Ratten sogar stärker beeinflussen als Oxytocin. Den Nachweis erbrachten Versuche, in denen das Vasopressin-System im Gehirn der Rattenmütter blockiert wurde.

"Dies hatte zur Folge, dass die Mütter sich ihren Jungen weniger zuwandten, was wiederum direkten Einfluss auf die Entwicklung von Gefühlen und Sozialverhalten der Jungen haben kann", so Bosch. Aktivierten die Forscher das Gen für die Vasopressin-Erkennung im Gehirn der Mütter, verbesserte das ihre Fürsorglichkeit deutlich.

Ihre Ergebnisse konnten die Forscher in laboreigenen Rattenlinien verifizieren, welche über viele Jahre hinweg auf hohe beziehungsweise niedrige Ängstlichkeit gezüchtet wurden. Interessanterweise zeigen die ängstlichen Rattenmütter mehr Zuneigung zu ihren Jungen, was wiederum auf die erhöhte Aktivität des Vasopressin-Systems in diesen Tieren zurückgeführt werden konnte. Es gelang den Forschern, aus guten Müttern schlechte zu machen und umgekehrt.

Durch ihre Studie konnten Bosch und Neumann erstmals zeigen, dass Vasopressin neben männlichem auch weibliches Sozialverhalten beim Säuger reguliert. "Es bleibt spannend zu erforschen, ob eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung durch eine Fehlregulation des Vasopressin- Systems erfolgt; eine fehlende Mutter-Kind-Bindung findet man zum Beispiel bei psychisch kranken Müttern, die an einer so genannten postpartalen Depression leiden", führt Neumann an.

MEDICA.de; Quelle: Universität Regensburg