Veränderung der Hirnaktivität sagt Migräneattacke voraus

Foto: frau mit Migräne

Aktivität von Nervenzellen im „Trige-
minuskern“ des Gehirns kündigt Mi-
gräneanfälle Tage vorher an;
© panthermedia.net / Franck Camhi

„Migräne ist ein wiederkehrender Zustand mit starken Aktivitätszyklen im Gehirn“, sagt Professor Arne May, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und Leiter der Studie. Diese Zyklen seien durch die Erforschung des Gehirns mittels funktioneller Kernspintomografie in der aktuellen Studie nun erstmals beobachtbar geworden. Das spiegelt sich auch sehr gut in der klinischen Erfahrung vieler Patienten, dass sich der Migräneanfall zum Teil bereits Tage vorher ankündigt, zum Beispiel durch Veränderung der Laune, Heißhunger, Gähnen und andere Symptome. „Hier sollten Patienten schon mit einer medikamentösen Therapie oder Alternativtherapien, wie zum Beispiel Progressiver Muskelentspannung, beginnen“, so May. Damit sei es möglich, die Stärke des tatsächlichen Migräneanfalls zu minimieren oder sogar zu verhindern.

In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Hirnaktivitäten des trigeminalen Schmerzzentrums bei Migränepatienten stark mit dem Abstand der neuen Migräneattacke korreliert sind. In der Studie waren 20 Patienten mit und 20 Patienten ohne Migräne untersucht worden. Dabei setzten die Forscher wohlriechendes Rosenöl und stechendes Ammoniak ein, um die Nerven im Trigeminus-System, das im Gehirn Schmerz vermittelt, zu stimulieren. Es zeigte sich, dass bei Patienten der Migräne-Gruppe, obwohl sie kopfschmerzfrei waren, die Nervenzellen im Trigeminus-System weniger auf den Ammoniakgeruch reagierten als bei den gesunden Probanden. Allerdings steigerte sich die Nervenzellaktivität dramatisch, je näher eine Migräne-Attacke kam. In der Kopfschmerzattacke fiel dann die Aktivität in diesem Areal wieder ab, was bedeutet, dass man erstmals den „Motor“ für die Schmerzattacken darstellen kann, der auch erklärt, wann die Attacken beginnen und wieder enden, und warum die Migräne eine zyklische Erkrankung ist.

Etwa elf von 100 Menschen leiden unter Migräne, die oft mit Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit einhergeht. Pro Tag, so schätzen Experten, treten etwa 350.000 Migräneanfälle in Deutschland auf.


MEDICA.de; Quelle: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft