Veränderungen im Gehirn bei Essstörungen sichtbar gemacht

Foto: Apfel und Maßband

Für Essgestörte kann selbst ein gesunder
Apfel zuviel sein; ©Rainer Sturm/Pixelio.de

Die gestörte Wahrnehmung von Essgestörten spiegelt sich auch in den Hirnfunktionen wider. Diese Veränderung im Kernspintomografen sichtbar zu machen, gelang erstmals Wissenschaftlern von Professor Dietrich Grönemeyers Lehrstuhl für Radiologie und Mikrotherapie der Universität Witten/Herdecke und einer Arbeitsgruppe des Grönemeyer-Instituts für Mikrotherapie um Doktor Martin Busch.

Psychologen der Ruhr-Universität Bochum verglichen die Veränderung des Volumens der grauen Hirnsubstanz in der sogenannten Extrastriate Body Area (EBA) bei Probanden und Patienten mit Magersucht. Veränderungen des Volumens der EBA und der Aktivierung durch eine speziell entwickelte Therapie wurden innerhalb der Patientengruppe bestimmt. Die Patienten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt eine Therapie zur Verbesserung des Körperbildes, eine Gruppe wurde nicht therapiert.

Im Kernspintomografen wurden den Probanden Bilder von Gegenständen und vom menschlichen Körper gezeigt. „Die Aufnahmen des Kernspintomografen zeigten, dass in der für die Verarbeitung von Körperbildern zuständigen Hirnregion (EBA) die graue Substanz bei den essgestörten Probanden deutlich vermindert ist", berichtet Busch.

Fraglich war deshalb, ob sich trotz zweifellos vorhandener genetischer Veranlagungen die gestörte Körperwahrnehmung beeinflussen lässt. Eine funktionelle Kernspinuntersuchung konnte dies klären.

Ergebnis: Die Aktivierungsmuster im Gehirn bei Betrachtung des eigenen und eines fremden Körpers zeigen deutliche Unterschiede bei gesunden und essgestörten Probanden. Bei den magersüchtigen Essgestörten ist die Anzahl der grauen Zellen in der EBA geringer. Die Aktivierung der EBA konnte durch die Therapie erhöht werden. Die Region ist demnach plastisch und kann durch Therapie verändert werden.

Eine deutlich erhöhte Aktivität des Amygdala-Areals konnte bei Personen mit Essstörungen beim Betrachten fremder Körper im Vergleich zu Personen ohne Essstörung festgestellt werden. Die Amygdala, der Mandelkern, ist Bestandteil des limbischen Systems, das bei Angst und unangenehmen Gefühlen aktiviert wird.


MEDICA.de; Quelle: Private Universität Witten/Herdecke