Verbesserung von Forschung und Patientenversorgung durch innovative IT-Lösungen

16.11.2015
Foto: Prof. Johanna Wanka

Prof. Johanna Wanka; © Bundesregierung/Steffen Kugler

Die Medizininformatik ist aus der Gesundheitswirtschaft nicht mehr wegzudenken. Deswegen soll ein neues Förderkonzept nun dazu beitragen, dieses Forschungsfeld in Deutschland zu stärken und somit die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern. Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, wird heute im Rahmen des MEDICA HEALTH IT FORUMs dieses Förderkonzept genauer vorstellen.

MEDICA.de sprach im Vorfeld ihrer Keynote mit der Ministerin über die Notwendigkeit des Förderkonzeptes.

Prof. Wanka, welche Bedeutung hat Medizininformatik heutzutage?


Prof. Johanna Wanka: Die Medizininformatik ist von wachsender Bedeutung für die Medizin und damit Impulsgeber für Innovationen!

Digitalisierte Datensätze in großem Umfang sind längst Bestandteil der Medizin. In der medizinischen Forschung und der Versorgung von Patientinnen und Patienten werden täglich zahlreiche gesundheitsrelevante Daten erhoben: Denken Sie allein an die Daten aus der täglichen Diagnostik in Kliniken und Arztpraxen oder aus klinischen Studien. Viele wertvolle Informationen werden außerdem erfasst, wenn Therapien verordnet und deren Erfolge gemessen werden. Auch in der biomedizinischen Grundlagenforschung werden große Datensätze generiert. Bislang wird dieser riesige Datenschatz, der die Versorgung jedes Einzelnen erheblich verbessern könnte, nur unzureichend genutzt. Denn die elektronischen Informationen liegen in vielen verschiedenen Datenformaten und an unterschiedlichen Standorten vor. Hier setzt die Medizininformatik an: Sie schafft die Möglichkeit, diese Vielfalt an Daten zusammenzuführen, auszuwerten und innovative Lösungen für eine bessere Patientenversorgung zu entwickeln.

Worum geht es im neuen Förderkonzept zur Medizininformatik und welche Ziele verfolgen Sie damit?


Wanka: Uns geht es vor allem darum, dass medizinisch relevante Daten zum Wohle der Patientinnen und Patienten genutzt werden. Wenn diese Daten systematisch ausgewertet werden, können daraus genauere Diagnosen und verbesserte Therapien abgeleitet werden. Ziel unseres Förderkonzeptes ist es, sowohl die Forschung als auch die Patientenversorgung zu verbessern – und zwar durch innovative IT-Lösungen. Diese IT-Lösungen sollen den Austausch und die Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung über die Grenzen von Institutionen und Standorten hinweg ermöglichen. Dass die in Deutschland sehr strengen datenschutzrechtlichen Standards und Rahmenbedingungen eingehalten werden, ist dabei eine unabdingbare Voraussetzung. Bei der Entwicklung der IT-Lösungen haben wir von Beginn an Anwendungsfälle und den ganz konkreten Nutzen für die Patientinnen und Patienten im Blick. Außerdem werden wir den wissenschaftlichen Nachwuchs unterstützen.

Im Fokus stehen zunächst die Universitätskliniken, denn hier gibt es die engste Verbindung zwischen Krankenversorgung und klinischer Forschung. Weitere Partner wie zum Beispiel Forschungsinstitute, Hochschulen, Unternehmen, private Kliniken oder andere Träger der Gesundheitsversorgung können und sollen sich ebenfalls beteiligen. Bei technischen Neuentwicklungen sollen auch die Innovationspotenziale bei jungen Unternehmen und im Mittelstand gehoben werden.

 
 
Foto: Wanka im Forum

Prof. Dr. Wanka bei ihrem Vortrag auf dem Health IT-Forum auf der MEDICA 2015; © beta-web / Stöter

Sie werden in Ihrer Keynote im HEALTH IT FORUM diese neue Initiative ausführlicher vorstellen. Welche Relevanz hat die MEDICA in diesem Zusammenhang?


Wanka: Einer der großen inhaltlichen Schwerpunkte der MEDICA 2015 ist die Digitalisierung der Medizin. Darum ist die MEDICA 2015 für die Vorstellung des Förderkonzepts Medizininformatik der geeignete Ort. Wir möchten mit dem Förderkonzept nicht nur die Wissenschaft und die Universitätskliniken ansprechen. Vielmehr wollen wir alle Berufsgruppen erreichen, die mit der Versorgung von Patientinnen und Patienten zu tun haben und dabei gesundheitsrelevante Daten erheben, verarbeiten oder nutzen. Die kleinen, mittleren und großen IT-Unternehmen spielen eine wichtige Rolle: Sie sind es, die mit ihrer Expertise aus Daten alltagstaugliche Anwendungen entwickeln. Nicht zuletzt wollen wir an medizinischen Innovationen interessierte Bürgerinnen und Bürger informieren und einbeziehen. Ich bin überzeugt, dass wir auf der MEDICA all diese Adressaten erreichen können.

 
 

Hinweis

HEALTH IT FORUM
Keynote "Förderkonzept zur Medizininformatik"
Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Halle 15, Stand 15C46 - 15E60, Red Stage,
16.11.2015, 15:00 bis 15:50 Uhr

 
 
Foto: Nadine Lormis

© B. Frommann





Das Interview führte Nadine Lormis.
MEDICA.de