Frühere Studien brachten vermeintlich schlechte Nachricht für die männlichen Angehörigen von Männern mit Prostatakarzinom: Die familiär vererbte Form des Prostatakarzinoms sollte angeblich aggressiver und mit einer schlechteren Prognose verbunden sein als sporadisch auftretende Prostatakarzinome.

Wissenschaftler der Arbeitsgruppe von Dr. Patrick A. Kupelian vom M. D. Anderson Cancer Center Orlando, Florida, USA, haben sich dies nun genauer angesehen. Sie untersuchten die Prostatakarzinome von 4.112 Männern, deren Tumoren im Stadium T1 bis T3 waren. Die Studie umfasste die Jahre 1986 bis 1992 und 1993 bis 2002.

Bei 16 Prozent der Männer lag eine familiäre Form des Prostatakarzinoms vor. Die Arbeitsgruppe interessierte sich insbesondere für die Anzahl derjenigen Patienten, die zehn Jahre lang ohne biochemisches Versagen (biochemical relapse-free survival: bRFS) in Bezug auf den prostataspezifischen Antigen (PSA)-Wert überlebten. Unter den Patienten mit familiärer Form des Prostatakarzinoms lag diese Zahl bei 63 Prozent, bei den Patienten mit sporadisch aufgetretenem Prostatakarzinom bei 59 Prozent (p gleich 0.9).

Im Zeitraum vor 1992 lagen die Zahlen des bRFS bei familiären versus sporadischen Formen des Prostatakarzinoms bei 34 versus 45 Prozent (p gleich 0.52), im Zeitraum nach 1993 dagegen bei 67 versus 61 Prozent (p gleich 0.42). Die Wissenschaftler begründen dies mit den Fortschritten in der Erhebung des PSA-Wertes und der Therapie. Außerdem glauben die Studienleiter, dass die verbesserte Therapie möglicherweise die unterschiedliche Aggressivität der verschiedenen Prostatakarzinomformen eingeebnet hat. Allerdings wollen die Wissenschaftler auch nicht ausschließen, dass es genetische Unterschiede der Tumorformen gibt, die bei der individuellen Prognose berücksichtigt werden sollten.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Clinical Oncology 2006, Vol. 24, S. 3445-3450