Verliebte schmecken anders

Foto: Mann und Frau

Frisch verliebte Paare nehmen die
Welt auf ihre eigene Weise wahr;
© ttz Bremerhaven

"Denken Sie häufig an Ihren Partner/Ihre Partnerin, wenn sie getrennt sind? Macht es Sie glücklich, wenn Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin eine Freude machen können?" Mit Fragen dieser Art haben sich Wissenschaftler des ttz Bremerhaven anhand der "Passionate Love Scale", einer international anerkannten Skala für die Ermittlung von Verliebtheit, zum Kern ihrer Untersuchung vorgetastet. Sie wollten wissen, ob die Probanden, 43 Frauen und 16 Männer, die einen passenden Wert auf der Verliebtheitsskala erzielten und sich selbst als verliebt bezeichneten, Geschmack anders wahrnehmen als nicht verliebte Probanden. 31 Testpersonen fielen in die Kategorie "Frisch verliebt", weil sie die geliebte Person weniger als sechs Monate kannten. Die restlichen 28 Teilnehmer befanden sich schon länger in einer glücklichen Beziehung.

Deutliche Unterschiede zeigten sich in der Wahrnehmung einzelner Geschmacksrichtungen: Die "sehr verliebten" Probanden reagierten auf den Bitterreiz auffallend unempfindlich. Auch den Süßreiz erkannten sie vielfach erst in höherer Konzentration als die andere Gruppe.

Allerdings nahmen sie saure und salzige Geschmäcker tendenziell besser wahr als die "weniger verliebten" Probanden. Den Grund für die reduzierte Bitter- und Süßerkennung sehen die Wissenschaftler darin, dass Serotonin an der Geschmacksausbildung der Eindrücke "süß" und "bitter" beteiligt sind. "Je weniger Serotonin die Tester im Blut haben, desto schwächer fällt der geschmackliche Impuls bei der Wahrnehmung dieser Ausprägungen aus.

Aus zahlreichen Studien geht hervor, dass bei der Übermittlung von sauren und salzigen Geschmackseindrücken eine völlig andere biochemische Signalkaskade abläuft, die möglicherweise weniger abhängig von der Serotoninkonzentration ist. Dies wäre eine Erklärung, warum die Erkennung dieser Grundgeschmacksarten bei den Verliebten nicht beeinträchtigt ist", sagt Doktor Mark Lohmann, Biochemiker und Leiter des ttz-Sensoriklabors. Um das Phänomen umfassend zu deuten, sind aber noch Folgestudien notwendig.

MEDICA.de; Quelle: ttz Bremerhaven