Ein Wissenschaftlerteam aus Rockville, Maryland, USA, hat die Daten von 24 Studien einer Meta-Analyse unterzogen. Die Studien waren alle placebo-kontrolliert und dauerten zwischen vier und 16 Wochen. 4.582 Patienten hatten an allen Studien insgesamt teilgenommen. Die eingesetzten Wirkstoffe waren Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin, Fluvoxamin, Citalopram, Bupropion, Venlafaxin, Nefazodon und Mirtazapin. Die Indikationen reichten von depressiven Erkrankungen bis zu Angststörungen.

Insgesamt traten 209 unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit suizidalem Verhalten auf. In keinem einzigen Fall kam es jedoch zu einem vollendeten Suizid. Das relative Risiko für Suizidalität über alle Wirkstoffe und Indikationen war 1,95. Für die Wirkstoffe aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer lag das relative Risiko bei 1,66. Allerdings unterscheiden sich die relativen Risiken für denselben Wirkstoff in verschiedenen Studien deutlich voneinander.

Die Studienleiter haben errechnet, dass bei 100 behandelten Patienten in einem bis drei Fällen bei kurzzeitigem Einsatz von Antidepressiva die Gefahr suizidalen Verhaltens über jenes Maß hinaus steigt, das die Depression ohnehin mit sich bringt.

Allerdings ist das alles kein Grund, Jugendliche und Kinder nicht mit Antidepressiva zu behandeln. Die Studienleiter weisen darauf hin, dass Antidepressiva in vielen Fällen die Kommunikation der Betroffenen mit ihrer Umwelt verstärken und sie daher unter dem Einfluss von Antidepressiva ihre suizidalen Gedanken eher äußern als sie das zuvor getan hätten. Die FDA überlegt allerdings, den Beipackzetteln der Medikamente entsprechende Warnhinweise beizufügen.

MEDICA.de; Quelle: Archives of General Psychiatry 2006, Vol. 63, S. 332-339