Vermeidbare Blindheit: Milliardenschwere Belastung für Europa

02.10.2014
Foto: Mädchen mit Euros vor den Augen

Die aktuelle Studie nimmt die durch Blindheit verursachten gesamtökonomischen Kosten in sieben europäischen Staaten ins Visier; ©digipixx/ panthermedia.net

50 Prozent der Erblindungen in Europa wären vermeidbar, berichteten Experten auf dem European Health Forum Gastein. Eine neue Studie zeigt, dass Augenerkrankungen nicht nur die Lebensqualität Betroffener beeinträchtigen, sondern auch eine milliardenschwere Belastung für die europäischen Volkswirtschaften darstellen.

Augenkrankheiten beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sie stellen auch eine milliardenschwere Belastung für die europäischen Volkswirtschaften dar. Das zeigt eine neue Studie, die vom European Forum Against Blindness (EFAB) in Auftrag gegeben wurde. „Blindheit führt alleine in den von uns untersuchten Ländern zu einer jährlichen ökonomischen Belastung von mehr als sieben Milliarden Euro. Dabei wären laut WHO europaweit 50 Prozent und weltweit sogar 80 Prozent aller Erblindungen vermeidbar“, betont Glendon Harris vom European Forum Against Blindness und der AMD Alliance.

Die Studie nahm die durch Blindheit verursachten gesamtökonomischen Kosten in sieben europäischen Staaten Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, der Slowakei, Spanien und Großbritannien ins Visier. „Die enorme gesamtgesellschaftliche und ökonomische Belastung durch Augenkrankheiten und Blindheit könnte durch die gezielte Förderung von Screening-Programmen sowie eine Ausweitung präventiver, frühdiagnostischer und therapeutischer Angebote erheblich reduziert werden. Maßnahmen wie der Ausbau systematischer Testverfahren, die Behandlungen von Katarakten, diabetischer Retinopathie oder Glaukomen sowie der Einsatz der Anti-VEGF-Therapie bei feuchter altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD) können nicht nur das Erblindungsrisiko für Betroffene minimieren, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Last und deren Produktivitätseinbußen dämpfen“, so Harris.

Angesichts des hohen Anteils vermeidbarer Augenkrankheiten und deren massiver Auswirkungen müsse das europäische Gesundheitswesen dem Kampf gegen Blindheit eine hohe Priorität einräumen, forderte Harris. Rund 56 Prozent der gesundheitsökonomischen Belastungen durch Blindheit entfallen auf informelle Pflegeleistungen, ein Viertel auf Produktivitätsverluste. Die direkten Kosten für das Gesundheitssystem infolge des Behandlungsaufwandes einschließlich Krankenhausaufenthalte, Praxis- und Medikamentenleistungen umfassen knapp ein Fünftel der Gesamtbelastung. Der Studie zufolge beträgt die ökonomische Belastung pro erblindete Person annähernd 10.000 Euro.

„Die demografische Entwicklung mit einer zunehmenden Alterung der europäischen Gesellschaften wird die Zahl der von Augenkrankheiten und Sehverlust betroffenen Menschen deutlich ansteigen lassen. Investitionen in Präventions- und Screening-Programme, in frühdiagnostische Angebote und neue Behandlungsmethoden für Netzhaut-Erkrankungen sind unerlässlich, nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Produktivität der Bevölkerung“, betont Harris. Wie aus der von EFAB beauftragten Studie hervorgeht, führen Augenkrankheiten alleine in den sieben untersuchten Ländern zu einem Ausfall von mehr als 120 Millionen Arbeitstagen pro Jahr.

Weltweit leiden rund 314 Millionen Menschen an Beeinträchtigungen des Sehvermögens, davon sind 45 Millionen erblindet. Knapp 48 Prozent aller weltweiten Sehbehinderungen gehen auf den „Grauen Star“ beziehungsweise Katarakt zurück, von dem alleine in Deutschland, Frankreich, Italien, der Slowakei, Spanien und Großbritannien mehr als 26 Millionen Menschen betroffen sind. Rund 3,8 Millionen Menschen sind in den genannten Ländern am „Grünen Star“ (Glaukom) erkrankt, 2,8 Millionen an feuchter altersbedingter Makula-Degeneration und rund 1,8 Millionen leiden an diabetischer Retinopathie. Die WHO geht davon aus, dass sich die weltweite Prävalenz von Augenkrankheiten bis zum Jahr 2020 verdoppeln wird – die Initiative „Vision 2020: The Right to Sight“ soll dieser Entwicklung mit der Aufforderung gegensteuern, der Augengesundheit in nationalen Gesundheitssystemen mehr Gewicht einzuräumen. „Die in unserer Studie aufgezeigten sozioökonomischen Implikationen von Augenkrankheiten verdeutlichen, dass es sich Europa nicht leisten kann, Investitionen in innovative und effektive Programme für die Augengesundheit zu vernachlässigen“, so Harris.

MEDICA.de; Quelle: European Healthforum Gastein