Verschiedene Fachrichtungen – ein Ziel: Kinder richtig behandeln

Kinder, besonders Neugeborene, gelten weithin nicht mehr nur als kleine Erwachsene, deren Behandlung quasi nur "geschrumpft" werden muss. Speziell die Ausbildung von Pädiatern umfasst deshalb mehrere Bereiche, denn bei ihnen läuft letztlich in der Betreuung alles zusammen.

01.03.2016

 
Foto: Otto Heubner

In Deutschland gilt Otto Heubner als Mitbegründer der Pädiatrie.

Medizinische Tätigkeiten sind in der Regel nach Fachrichtungen unterteilt. Für verschiedene Organe und Körperteile, und manchmal sogar für einzelne Erkrankungen, gibt es den passenden Arzt: den Nephrologen für die Nieren, den Kardiologen für das Herz und den Diabetologen für Diabetes-Patienten. Allgemeinmediziner und Kinderärzte bilden in der Regel eine Ausnahme – sie sind direkte Ansprechpartner für alle Erkrankungen, für die es oftmals erst eine Ursache zu suchen gilt. Zwei Berufsgruppen also, für die es unerlässlich ist, über den Tellerrand hinauszuschauen. Kinderärzte sind hier besonders gefordert. Bei den Kleinsten sind die Eltern zunächst das Sprachrohr des Kindes, doch ein Säugling kann zum Beispiel nicht äußern, an welcher Stelle es ihm wehtut. Würde ein Erwachsener sich etwa entscheiden, aufgrund von Knieschmerzen direkt den Orthopäden aufzusuchen, so kann ein Säugling dies nicht. Bei Pädiatern läuft deshalb vieles zusammen. Doch nicht alle Erkrankungen oder Verletzungen können von ihnen auch behandelt werden.

Kommunikation ist das A und O

Sowohl die Zuweisung als auch die Nachsorge von Kindern, die sich zum Beispiel einer Operation unterziehen müssen, kann verschiedene Fragestellungen nach sich ziehen. Wünschenswert wäre es deshalb, wenn ein Pädiater sich auch in der Kinderchirurgie auskennt. Doch der Ausbildungsweg eines Pädiaters sieht dies nicht unbedingt vor, während Kinderchirurgen während ihrer Lehrzeit beim Pädiater lernen müssen.
Foto: Weinendes Kind mit Gipsarm

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Bei ihrer Behandlung muss zum Beispiel das noch stattfindende Wachstum berücksichtigt werden. Auch Medikamente können bei ihnen ganz anders wirken, wobei die Studienlage hierzu oft schwierig ist; © panthermedia.net/Monkeybusiness

Allerdings gibt es Kurse, die diese Lücke schließen wollen. So bietet etwa der Österreichische Verein "Li-La Licht und Lachen für kranke Kinder. Effizienz in der Medizin e.V." zeitweilig den Kurs "Kinderchirurgie für Pädiater" an. Der Vorsitzende des Vereins, Prof. Wolfgang Linhart, betont im Gespräch: "Zwar handelt es sich bei Pädiatrie und Kinderchirurgie um zwei unterschiedliche Fachbereiche. Doch beide haben ein gemeinsames Ziel – das Wohl der Kinder! Es geht darum, Kinder familienfreundlich und auf hohem Niveau optimal zu behandeln. Aus diesem Grund gibt es in unseren Kursen interdisziplinäre Fragestellungen und Vorträge, die einen Blick über den Tellerrand hinaus erlauben. Wichtig ist die Anregung, sich beständig auszutauschen, denn es gibt immer wieder Neuerungen in beiden Gebieten."

Je enger die Zusammenarbeit, desto besser

Viele Ärzte haben verstanden, wie wichtig die Zusammenarbeit der einzelnen Fachrichtungen ist. Aus diesem Grund entstehen immer häufiger sogenannte „Kinderzentren“, in denen niedergelassene Ärzte (Kinderkardiologen, Kinderchirurgen, Pädiater, Kinderendokrinologen) zusammenarbeiten. Interdisziplinärer Austausch, die Versorgung gemeinsamer Patienten und der Austausch mit den Eltern ist hier oftmals schneller und weniger zeitintensiv zu gestalten. Die Betreuung und auch Nachbetreuung von Kindern kann so wesentlich besser gewährleistet werden.

Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann


Simone Ernst
MEDICA.de