Versorgungsatlas: Niedergelassene Ärzte verordnen weniger

08.10.2014
Grafik: Länderüberblick Rückgang Antibiotika bei Kindern

Antibiotika im Kindesalter in allen Bundesländern rückläufig: Antibiotikaverordnungen bei Kindern bis 14 Jahre im ambulanten Bereich in den Jahren 2008 und 2012. DDD = Definierte Tagesdosis; © Versorgungsatlas

In Deutschland verordnen die niedergelassenen Ärzte Antibiotika zunehmend zurückhaltender. Vorreiter sind dabei die Kinderärzte. Das zeigt erstmals eine Untersuchung der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas. Die Verordnungszahlen sinken jedoch regional unterschiedlich und es gibt altersabhängige Unterschiede. Sorgen bereitet Experten der relativ hohe Einsatz von „Reserveantibiotika“, die schweren Infektionen vorbehalten sein sollten.

In Deutschland wird auf gesetzlicher Grundlage der Einsatz von Antibiotika in Kliniken überwacht. Im ambulanten Versorgungsbereich existiert ein derart systematisches gesetzlich geregeltes Monitoring indes nicht. Insbesondere fehlen statistische Auswertungen, die eine Beurteilung des Trends über mehrere Jahre hinweg erlauben.

Eine Studie der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) schließt nun erstmals diese Lücke. Die Forscher analysierten den Antibiotikaverbrauch auf der Basis der verordneten Packungen und definierten Tagesdosen sowie auf dem Anteil der Patienten mit mindestens einer Antibiotika-Verordnung.

„Unsere Analysen belegen statistisch signifikante rückläufige Trends bei der Verordnung von Antibiotika, die allerdings bei verschiedenen Altersgruppen und in verschiedenen Regionen unterschiedlich ausfallen“, erklärt Ramona Hering, eine der Autorinnen der Studie. Besonders deutlich ist dieser Trend bei Kindern: Die Ärzte verordnen Antibiotika in geringeren Dosierungen und seltener. Darüber hinaus sank im Beobachtungszeitraum auch der Anteil jener Kinder, die überhaupt antibiotisch behandelt werden auf deutlich unter 40 Prozent, nachdem er in 2009 darüber gelegen hatte. „Angesichts der Resistenzproblematik ist diese Entwicklung äußerst positiv“, betont Dr. Mandy Schulz, die Mitautoren.

Bei erwachsenen Patienten ist das Verordnungsverhalten der Ärzte hingegen stabil. In der großen Altersgruppe der 15-69-Jährigen bestehe, so die Wissenschaftler, noch Spielraum nach unten, wenn leitliniengerechter behandelt würde.

Der ebenfalls statistisch signifikante rückläufige Einsatz von Antibiotika bei älteren Menschen jenseits des 70. Lebensjahres könnte auch damit zu tun haben, dass diese Patienten bei Infektionen verstärkt in Kliniken eingewiesen und dort antibiotisch behandelt werden.

Generell gibt es auch regionale Unterschiede. Es existiert ein West-Ost-Gefälle, Spitzenreiter bei den Verordnungen sind Rheinland-Pfalz und das Saarland, in den neuen Bundesländern verordnen die Ärzte hingegen weniger Antibiotika. Aber auch in Schleswig-Holstein und Bayern sind die Verordnungszahlen vergleichsweise niedrig.


Der gleichwohl insgesamt positive Trend deutet darauf hin, dass verschiedene Aktivitäten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Wirkung zeigen. Die KBV arbeitet bei der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) der Bundesregierung mit und unterstützt die Ärzte bei der sachgerechten Verordnung von Antibiotika beispielsweise mit Informationsmaterialien, Fortbildungen, einer MRSA-Vergütungsvereinbarung und dem Qualitätsmanagement-System QEP®.

Veröffentlicht ist die Untersuchung mit allen Tabellen und Texten unter dem Titel „Entwicklung der ambulanten Antibiotikaverordnungen im Zeitraum 2008 bis 2012 im regionalen Vergleich“ auf www.versorgungsatlas.de.

MEDICA.de; Quelle: Versorgungsatlas