Verstädterung ist ähnlich gesundheitsrelevant wie Klimawandel

31/10/2016

Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt derzeit in Städten – Tendenz steigend. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind in höchstem Maße gesundheitsrelevant, insbesondere für die Psyche.

Bild: Kleines Mädchen mit Margeriten betrachtet Sonnenuntergang im Park mit Blick auf das Treiben der Stadt; Copyright: panthermedia.net / FSerega

Stress and the City: "Wir brauchen Neurourbanistik als neues Forschungsfeld!", so die Forscher; © panthermedia.net/FSerega

Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt derzeit in Städten – Tendenz steigend. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind in höchstem Maße gesundheitsrelevant, insbesondere für die Psyche. Deshalb hat PD Dr. Mazda Adli, Chefarzt der Fliedner Klinik Berlin und Stressforscher an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, gemeinsam mit der Alfred-Herrhausen Gesellschaft und führenden Berliner Wissenschaftlern aus Architektur und Stadtplanung eine neue Forschungsdisziplin gegründet. Ihr Ansatz zur "Neurourbanistik" wird nun in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlicht.

"Psychische Erkrankungen, für die eine stressabhängige Entstehung angenommen werden kann, kommen in der Stadt häufiger vor, als auf dem Land", erklären die Stadtplaner, Architekten, Sozialwissenschaftler und Neurowissenschaftler des interdisziplinären Forums Neurourbanistik. Ob es Stadtstress wirklich gibt, wie wir ihn messen können und wie er unsere Gesundheit beeinflusst stehen für Adli und seine Forschergruppe im Zentrum des Interesses. "Die Verstädterung der Welt ist eine der folgenreichsten Veränderungen unseres Planeten in den kommenden Jahrzehnten. Für unsere Gesundheit ist sie mindestens so relevant wie der globale Klimawandel", so Adli.

Die Forscher richten ihr Augenmerk vor allem auf sozialen Stress. Er entsteht dort, wo soziale Dichte und soziale Isolation zusammenfallen und für den einzelnen unkontrollierbar werden. Für den Psychiater und Stressforscher Adli war von Beginn an klar: "Es ist höchste Zeit zu verstehen, wie Stadtleben sich auf unsere Psyche auswirkt und wie wir Städte besser machen können. Das geht nur wenn wir Hirnforschung und Stadtforschung miteinander verknüpfen." Dafür wurde in der aktuellen Publikation im Lancet Psychiatry der Begriff "Neurourbanistik" auch wissenschaftlich eingeführt.

Ziel ist es, Ergebnisse zu erlangen, die Stadtplanung und Politik unmittelbar helfen, gesunde Städte zu schaffen. Die Berliner Neurourbanistik-Gruppe ist das weltweit erste interdisziplinäre Forum seiner Art.



MEDICA.de; Quelle: Theodor Fliedner Stiftung
Mehr über die Theodor Fliedner Stiftung unter: www.fliedner.de