Es gibt nur einige wirklich effektive Therapieoptionen bei einem Schleudertrauma. In der Regel verordnet der Arzt eine Halskrause und Schmerzmedikamente. Studien geben Hinweise darauf, dass eine zu intensive Behandlung kurz nach einem Unfall zu einer iatrogenen Behinderung führen könnte. Kanadische Wissenschaftler aus Toronto haben sich daher jetzt die Aufgabe gestellt, den Zusammenhang zwischen dem therapeutischen Eingreifen nach einem Schleudertrauma und der Zeit bis zur vollständigen Erholung zu untersuchen.

1.693 Erwachsene aus dem kanadischen Saskatchewan nahmen an dieser Studie teil. Alle hatten zwischen Juli 1994 und Dezember 1994 ein Schleudertrauma erlitten. Die Studienleiter untersuchten acht verschiedene Interventionstypen, die zum einen die Art des therapeutischen Eingreifens, zum anderen auch den Therapeuten selbst, wie etwa Arzt oder Chirotherapeut, umschrieben.

Am schnellsten erholen sich demnach Patienten, die nach einem Unfall einen Allgemeinarzt aufsuchen, der ihnen die beschriebene Halskrause und Schmerzmedikamente verordnet. Andere Patienten suchten einen Chirotherapeuten auf, der sich intensiv um sie bemühte. Solche Patienten hatten nach einem Jahr eine Heilungsrate, die durchschnittlich 25 Prozent langsamer war als die der herkömmlich behandelten Patienten.

Ähnliches galt für jene Patienten, die sowohl einen Arzt als auch einen Chiropraktiker aufsuchten: Die Schnelligkeit der Erholung war um 26 Prozent langsamer. Besonders lange dauerte die Rekonvaleszenz bei jenen Patienten, die einen Allgemeinarzt aufsuchten, der die gesamte Palette der möglichen Therapieoptionen ausspielte, und die dann auch noch einen Chiropraktiker aufsuchten. Mit dieser Maximaltherapie verläuft die Heilungsrate um 36 Prozent langsamer.

MEDICA.de; Quelle: Arthritis & Rheumatism 2007, Vol. 57, S. 861-868