Viele Ärzte kappen den Herzschrittmacher

Leitlinien für den Herzschrittmacher
müssen her; © PixelQuelle.de

Ob man bei todkranken Patienten einen Herzschrittmacher abstellen sollte – zu dieser Frage gibt es zumindest in den USA keine Leitlinien. Jetzt hat sich ein Wissenschaftlerteam um Dr. Paul S. Mueller vom Mayo Clinic College of Medicine in Rochester, Minnesota, USA, dieser heiklen Frage angenommen.

Im Sommer 2005 verschickten die Wissenschaftler Fragebogen an die Mitglieder der US-amerikanischen Heart Rhythm Society. Der anonyme Fragebogen enthielt 76 Ja/Nein-Fragen und die Möglichkeit zu freien Kommentaren.

787 Personen beantworteten den Fragebogen. 70 Prozent von ihnen waren schon seit mehr als zehn Jahren medizinisch tätig, 23 Prozent waren selbst Ärzte. 69 Prozent berichteten, dass sie selbst oder ein anderer Arzt schon einmal bei einem sterbenden Patienten das Abstellen des Herzschrittmachers angeordnet hatten. 60 Prozent hatten selbst einen Herzschrittmacher abgeschaltet.

Interessanterweise wurden die meisten Herzschrittmacher von Mitarbeitern der Herstellerfirma deaktiviert, am zweithäufigsten von Kardiologen, dann Krankenschwestern. Offenbar haben die Mitarbeiter des Herzschrittmacher-Herstellers die größte Erfahrung mit dem Abschalten des Gerätes. Es sei aber dennoch erstaunlich, dass so wenige Krankenschwestern dies beherrschen, schreiben die Studienautoren.

90 Prozent der Fragebogen-Beantworter waren der Meinung, dass ein Herzschrittmacher ein lebenserhaltendes Instrument ist und 18,5 Prozent von ihnen waren der Ansicht, dass es sich beim Abschalten eines Herzschrittmachers um Euthanasie handle. Offenbar gibt es also ein hohes Maß an Unsicherheit und ethischen Bedenken in dieser Frage. Die Studienleiter fordern daher, nun endlich Leitlinien für dieses Problem zu entwickeln.

MEDICA.de; Quelle: Heart Rhythm Society 2006 Session AB26-6