Spielsucht wird gemeinhin als eine chronische psychische Erkrankung angesehen, auch in der Fachwelt. In den DSM-IV wird Spielsucht zum Beispiel als chronisch und persistierend beschrieben. Außerdem gilt, dass Spielsüchtige selten nach Hilfe suchen, im Gegensatz zu Patienten mit Depressionen.

Diese Einstellungen werden durch eine neue Studie zwar nicht erschüttert, aber doch etwas revidiert. In dieser Studie wurden zwei frühere Studien re-analysiert. Es handelte sich dabei um eine Telephonumfrage (Gambling Impact and Behavior Study: GIBS-Studie) und eine Untersuchung mit persönlichen Interviews (National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions: NESARC-Studie). 2.417 beziehungsweise 43.093 Probanden hatten daran teilgenommen. In der ersten Studie waren 21 Personen irgendwann einmal spielsüchtig gemäß DSM-IV-Kriterien und in der zweiten Studie 185 Personen.

Von diesen spielsüchtigen Personen hatten 36 bis 39 Prozent im Jahr vor der Untersuchung keine Probleme im Zusammenhang mit Spielsucht gehabt. Etwa ein Drittel der Betroffenen hatte sich aus eigener Kraft von der Sucht befreien können.

Lediglich 9,9 Prozent der Kranken hatten sich jemals um Hilfe bemüht. 5,5 Prozent suchten einen Arzt auf, 7,3 Prozent wurden Mitglied der „Gamblers Anonymous“, einer Selbsthilfegruppe nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker. Je schwerer die Symptome der Spielsucht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Betroffenen Hilfe suchten (p gleich 0.03).

Damit sind die bisherigen Lehrmeinungen offenbar überholt: Spielsucht verläuft nicht immer chronisch und persistierend. Ein beträchtlicher Teil der Kranken kann sich selbst helfen und schafft den Weg aus der Sucht. Die allermeisten ohne Behandlung.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Psychiatry 2006, Vol. 163, S. 297-302