Dr. Amy Kindrick vom “National HIV/AIDS Clinician's Consultation Center” in San Francisco hat zwischen Januar 2004 und August 2005 alle Anrufe ausgewertet, die bei der „post-exposure prophylaxis (PEP): PEP Hotline (PEPline)“ in San Francisco eingingen. Diese PEPline wurde eingerichtet, um Ärzte zu beraten, welche Patienten behandeln, die nach Geschlechtsverkehr oder auch im Beruf möglicherweise mit HIV in Berührung kamen und daher eine HIV-Prophylaxe benötigen.

12.895 Anrufe gingen im genannten Zeitraum ein. In 775 Fällen bezog sich die potentielle Infektion auf Geschlechtsverkehr. Nur diese Anrufe wurden untersucht. 283 (28 Prozent) der Patienten aus dieser Gruppe meldeten sich 72 Stunden nach der Exposition. Spätestens nach 72 Stunden aber sollte gemäß der einschlägigen Leitlinien eine solche Prophylaxe beginnen. 259 Patienten (29 Prozent) meldeten sich zwischen 24 und 72 Stunden nach der Exposition und 32 Prozent kamen binnen 24 Stunden nach der Exposition zur PEPLine.

Dieses Ergebnis ist problematisch, berichtete Dr. Kindrick bei der 13th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections. Immer geht es darum, die potentiellen Risiken einer PEP mit den Chancen abzuwägen. Je später die Patienten sich aber melden, desto geringer wird der potentielle Nutzen bei gleich bleibenden Risiken.

Grundsätzlich glaubt die Studienleiterin nicht daran, dass es sinnvoll ist, später als nach 72 Stunden mit der PEP zu beginnen. Gerechtfertigt sei das nur bei bestimmten Hochrisikogruppen, zum Beispiel nach ungeschütztem Analverkehr mit einer Person, die bekannt HIV positiv ist. Die PEP könnte große Fortschritte machen, wenn es gelänge die unerwünschten gastrointestinalen Nebenwirkungen zurückzudrängen, sagte die Studienleiterin bei dem Kongress.

MEDICA.de; Quelle: 13th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections