Viele Nadelstichverletzungen sind vermeidbar

Schon ein kleiner Pieks kann
Infektionen übertragen
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Nadelstich- und Schnittverletzungen (NSV) an benutzten medizinischen Arbeitsgeräten erhöhen für Ärzten und Pflegepersonal das Risiko sich mit einer blutübertragbaren Infektion wie Hepatitis B Virus (HBV), Hepatitis C Virus (HCV) oder etwa HIV zu infizieren.

In Deutschland passieren pro Jahr mindestens 500.000 NSV-Unfäll "Die Dunkelziffer der gemeldeten NSV beträgt circa 80 bis 90 Prozent. Wir gehen deshalb von einer wesentlich höheren Zahl aus", erklärt Dr. Sabine Wicker, Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes des Frankfurter Universitätsklinikums. Deshalb haben Professor Dr. Holger F. Rabenau vom Institut für Medizinische am Klinikum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main und Dr. Wicker eine Studie über Nadelstichverletzungen durchgeführt.

Die Studie ist vor dem Hintergrund der Neufassung der TRBA 250-Richtlinie des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) vom 17. Mai 2006 zu sehen. Diese verpflichtet Arbeitgeber erstmalig zum besseren Schutz ihrer Mitarbeiter vor NSV.

Für die Erhebung befragten die Autoren 720 Beschäftigte. Aus der Studie geht hervor, dass die meisten Verletzungen bei der Entsorgung (circa 37 Prozent) passieren, gefolgt vom Nähen (23 Prozent). Das höchste Risiko einer Nadelstichverletzung weist die Gruppe der Ärzte auf. 55,1 Prozent der befragten Ärzte aller Fachrichtungen gaben mindestens eine NSV in den letzten zwölf Monaten an.

Durchschnittlich 36,4 Prozent der Verletzungen hätten durch sichere Produkte vermieden werden können. Sichere Instrumente, so das Fazit der Frankfurter Nadelstichstudie, reduzieren das Infektionsrisiko für Beschäftigte im Arbeits- und Gesundheitsdienst und verbessern den Schutz der Patienten. "Wegen der geschätzten Mehrkosten verzichten manche Häuser leider auf den Einsatz von sicheren Instrumenten, die den neueren Standards entsprechen. Nadelstichverletzungen verursachen jedoch hohe Kosten, die den Mehrkosten der Instrumente gegenübergestellt werden müssen", sagt Dr. Wicker.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität