Diese Annahme hat eine Studiengruppe um Prof. Dr. Jon E. Tyson von der University of Texas Medical School in Houston, USA, untersucht. Prospektiv studierte sie das gesundheitliche Schicksal von 4.446 Kindern, die zwischen der 22. und 25. Gestationswoche geboren worden waren. Bei 3.702 der Frühgeburten (83 Prozent) musste künstlich beatmet werden. 4.192 (94 Prozent) der Kinder konnten nach 18 bis 22 Monaten gesundheitlich evaluiert werden. 49 Prozent dieser Kinder waren verstorben. 62 Prozent waren entweder verstorben oder hatten starke Entwicklungsbehinderungen.

Gibt es nun Risikofaktoren oder - umgekehrt - günstige Faktoren, welche die Prognose beeinflussen? Ja, die gibt es, so das Ergebnis der Untersuchung: Nahmen die Frauen vor der Geburt Kortikosteriode ein, waren die Frühgeborenen Mädchen und Einzelgeburten. Hatten sie ein erhöhtes Geburtsgewicht, dann überlebten sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit und hatten auch seltener Entwicklungsstörungen. Der Vorteil war in etwa so hoch, als hätten die Kinder eine Woche länger im Mutterleib verbracht.

Nahm man alle vier Faktoren zusammen –mütterliche Einnahme von Kortikosteroiden, Geschlecht, Einzelgeburten oder höheres Geburtsgewicht – dann lag die Aussagekraft in Bezug auf die Überlebenswahrscheinlichkeit sogar höher als bei der geschätzten Gestationswoche alleine. Die ethnische Herkunft der Frühgeborenen hatte keinen Einfluss auf die Prognose. Wenn Neonatologen einschätzen, welches Frühgeborene intensivmedizinische Behandlung benötigt, sollten daher nicht nur das Gestationsalter sondern auch die vier genannten Faktoren mit einbezogen werden, schreiben die Studienleiter.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2008, Vol. 358, S. 1672-1681