Virus gegen Krebs

Des Menschen Feind - der Virus -
kann zu des Menschen Freund
werden; © NCI Visuals Online

Dr. Oliver Ebert von der II. Medizinischen Klinik im Klinikum rechts der Isar möchte die zerstörerische Kraft von Viren für die Krebsbekämpfung nutzen. Er konnte im Tiermodell zeigen, dass mit dem Vesikulären Stomatitis Virus, welcher beim Menschen harmlose grippeähnliche Symptome auslöst, Leberkrebs zurückgedrängt oder sogar geheilt werden konnte.

Nun versucht Ebert die tumorzersetzende Wirkung des Virus noch weiter zu verbessern, so dass der Erreger nur die Tumorzellen und nicht das gesunde Gewebe angreifen. Ziel ist, im Tiermodell ein "Antikrebs-Virus" zu entwickeln, das in circa drei Jahren erstmalig auch bei Menschen mit Leberkrebs in einer klinischen Studie in Deutschland eingesetzt werden kann.

"Bislang gibt es für Patienten mit Leberkrebs nur wenig therapeutische Möglichkeiten", sagt Ebert. Der Tumor spricht nur selten auf eine Chemotherapie an und entsprechend schlecht sind die Überlebensraten. "Daher suchen wir einen neuen Weg, um Leberkrebspatienten zu helfen - und der Einsatz von onkolytischen Viren erscheint mir dabei viel versprechend", erklärt Ebert. Und so ist geplant, das Vesikuläre Stomatitis Virus in der Weise umzuprogrammieren, dass es sich noch spezifischer als bisher gegen Leberkrebszellen und nicht gegen gesundes Gewebe richtet.

Dieses "Feintuning" der Viren ist möglich durch die gezielte Veränderung des Erbguts der Erreger. So kann das Virus beispielsweise derart manipuliert werden, dass es bei einer gesunden Zelle eine besonders starke Virenabwehrreaktion hervorruft, wohingegen es eine Tumorzelle ungehindert befallen und auflösen kann. Dies ist möglich durch eine Mutation im Matrix-Protein des Virus. Ebert und Kollegen schleusen aber noch weitere Gene in das Virus. Die neu eingebrachte Erbinformation soll dafür sorgen, dass eine virenbefallene Krebszelle gleichzeitig ihre Nachbarn mit in den Zelltod reißt.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum rechts der Isar und Fakultät für Medizin der Technischen Universität München