11/11/2010

Drägerwerk AG & Co. KGaA, Unternehmensbereich Medizintechnik

Visualisierung in der Medizintechnik

Therapieentscheidungen – nicht nur eine Frage ärztlichen Könnens

Der erfolgreiche Eingriff und die bestmögliche Versorgung des Patienten zählen zu den wichtigsten Anforderungen im OP und auf einer Intensivstation. Zwischen Einleitung, Operation und Ausleitung sowie während der Intensivpflege hängen wichtige Entscheidungen oft von komplexen Informationen ab. Ärzte und Pflegekräfte sind ständig gefordert, wenn es darum geht, Daten wahrzunehmen, zu erkennen und richtig zu interpretieren. Das gilt für die Vitalparameter eines Patienten genauso wie beispielsweise für dessen Lungenstatus. Eine kognitive Belastung, die bei immer enger getakteten Zeitplänen im Krankenhaus zum Stressfaktor werden kann.

Dräger hat Lösungen entwickelt, um die Komplexität der Informationen im OP und auf einer Intensivstation zu verringern und durch neue Visualisierungsmöglichkeiten Arbeitsabläufe zu vereinfachen: Ziel ist es, Ärzte und Pflegekräfte bei Therapieentscheidungen besser zu unterstützen. Im Rahmen der Medica 2010 stellt der Medizintechnik-Hersteller verschiedene Anwendungen vor.

Dazu zählt beispielsweise SmartPilot View: eine neue – der Flugnavigation entlehnte – Bildschirmlösung, die dem Anästhesisten den typischen Narkoseverlauf eines Patienten grafisch darstellt. Eine weitere im Rahmen des Weltforums der Medizin vorgestellte Anwendung ist Smart Pulmonary View. Die Anwendung zeigt den aktuellen Lungenstatus eines Patienten nicht nur durch Parameter und Trendgrafiken an, sondern auch mit Hilfe eines einfach zu interpretierenden Lungensymbols. Den buchstäblichen Blick in die Lunge eröffnet auch ein neuartiges bildgebendes Verfahren: die Elektronische Impendanz-Tomograhie (EIT). Über einen Monitor stellt das nicht-invasive Verfahren die regionale Luftverteilung in der Lunge eines Patienten live in bewegten Bildern dar. Welche Auswirkung ein Anpassen der Einstellungen am Beatmungsgerät hat, kann der Arzt dann sofort am Patientenbett verfolgen. Als weitere Visualisierungshilfe, die Patienten und Personal vor zu hoher Lautstärke bewahren soll, ist der in Kürze erhältliche Noise Guard: Ein Lautstärkeindikator mit LEDs in Form eines kleinen Ohrs, angebracht an einer Wand- oder Deckenversorgungseinheit auf der Intensivstation, misst ständig die Raumlautstärke. Der Noise Guard leuchtet rot auf, sobald der Geräuschpegel ein bestimmtes Maß überschreitet.

Vorbild Pilotennavigation
In der Luftfahrt geben sogenannte Moving Maps dem Piloten Orientierung und sorgen für Sicherheit. Auf dem Cockpit-Monitor sieht der Pilot ständig, wo er sich mit seinem Flugzeug befindet, von wo er kam und wohin ihn die Flugroute führt. Dräger hat dieses Prinzip mit der Anwendung SmartPilot View auf die Narkose übertragen. Der Anästhesist soll dadurch den Narkoselevel während der gesamten Operation vorausschauend beurteilen können. Die Anwendung hilft dem Arzt, die Narkosemittel präziser zu dosieren, indem er Einblick in das aktuelle Zusammenspiel der Wirkstoffkonzentrationen einzelner Hypnotika und Opioide erhält. Ein Vorteil für den Patienten: Ein unnötig tiefer Narkoselevel kann besser vermieden werden.

Bild schlägt Rohdaten
Im Verlauf der Intensivbeatmung geben Trendgrafiken und numerische Daten ständig über den Status der Lunge Auskunft. Um sich beispielsweise einen Eindruck davon zu machen, wie sich gerade Compliance (Maß für die Dehnbarkeit des Lungengewebes) und Resistance (Faktor, der den Widerstand in den Atemwegen misst) entwickeln, mussten Rohdaten bisher erst ausgewertet und interpretiert werden. Die neue Bildschirmanwendung Smart Pulmonary View macht variierende Lungenfunktionsdaten dagegen anhand eines sich analog verändernden Lungensymbols einfach und schnell begreifbar. Verändert sich die Lungenfunktion, nimmt auch die schematische Darstellung auf dem Bildschirm eine andere Form an. So bedeutet beispielsweise eine dicker werdende Außenlinie der „Lunge“ einen sinkenden Compliance-Wert.

Die Bewegungsdarstellung einer Membran visualisiert die inspiratorische Atemarbeit des Patienten. Diese bildhafte Darstellungsweise macht es Arzt und Pflegekraft leichter, den Beatmungsstatus zu interpretieren und spart so wertvolle Zeit.

Neue Einblicke in die Lunge
Bildgebende Verfahren in der Intensivmedizin dienen dazu, Informationsmöglichkeiten für das Klinikteam zu verbessern – einerseits, indem sie neue Einblicke in den Körper ermöglichen, zum anderen durch das schnelle Bereitstellen von Informationen . Die Elektrische Impendanz-Tomographie (EIT) bietet neue Möglichkeiten, die Lungentätigkeit in Echtzeit zu überwachen und dadurch die Intensivbeatmung von Patienten unmittelbar optimieren zu können.

EIT ermöglicht es, die regionale Ventilationsverteilung in der Lunge in Echtzeit auf einem Monitor zu beobachten. Das bietet große Vorteile, etwa um den Beatmungsdruck bestmöglich an die sich verändernde Lungenphysiologie anzupassen oder Beatmungsmanöver effektiver steuern zu können. Ein Beispiel: Mit gezielten Blähmanövern, bei denen kurzfristig mit hohem Beatmungsdruck gearbeitet wird, lassen sich kollabierte (atelektatische) Lungenregionen wieder für den Gasaustausch öffnen. Ohne die Möglichkeit der ständigen Überwachung der verschiedenen Lungenregionen, könnte sich der Arzt während eines solchen Manövers ausschließlich auf seine Erfahrung und sein fachärztliches Können verlassen. EIT ermöglicht ihm dagegen direkt am Bett des Patienten eine sofortige Rückmeldung über den Effekt seiner Therapieveränderung.