Vitale Zellstrukturen halten Einzug

Dank Biologisierung anpassungs-
fähigere Herzimplantate
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"Nach der Informatik und den Materialwissenschaften stößt neuerdings die Zell- und Molekularbiologie zur Medizintechnik hinzu", erläutert Prof. Schmitz-Rode, Direktor des Helmholtz-Instituts für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen, "die technische Komponente wird nunmehr durch eine biologische ergänzt".

So richtet der Lehrstuhlinhaber für Angewandte Medizintechnik gerade eine neue Arbeitsgruppe für kardiovaskuläres Tissue Engineering ein. Die technischen Systeme werden dabei noch stärker mit den biologischen verzahnt. Prof. Schmitz-Rode: "Aus der Verbindung von materialwissenschaftlichen und mechatronischen Komponenten mit Molekül- und Zellstrukturen entwickeln wir Hybridfunktionen, die konkrete Hilfestellung für den Patienten bringen."

Beispielprojekte sind mitwachsende Herzklappen für Kinder, gezüchtete Gefäßsegmente aus körpereigenem Material und so genannte Myokard- Patches - Gewebe-Pflaster, die infarktgeschädigte Herzmuskelbereiche ersetzen sollen. "Das Zellmaterial wird dafür auf einen biokompatiblen Träger aufgetragen", sagt Schmitz-Rode. So können Herzklappen aus Elastomeren mit einer körpereigenen Zellschicht belegt werden, um gerinnungshemmende Medikamente auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Insgesamt ist Schmitz-Rode überzeugt, dass durch diese Einführung vitaler Zell- und Molekularstrukturen in die Medizintechnik Implantate widerstandsfähiger und langlebiger werden. Von der engen Verzahnung und Interaktion der "klassischen" kardiovaskulären Technik mit der Tissue- Engineering-Gruppe verspricht sich Schmitz-Rode innovative Impulse, die zur Entwicklungen neuer biohybrider Systeme führen werden.

Der Medizintechniker warnt jedoch vor zu großen Erwartungen: " Die Forschungs- und Entwicklungszeiträume liegen bei fünf bis zehn Jahren." In dieser Zeit gibt es viele Fragen zu beantworten.

MEDICA.de; Quelle: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen