Das haben Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig jetzt gemeinsam mit Kollegen in Hannover und Münster herausgefunden. Der Hemmstoff ist für Forscher und Ärzte ein "alter Bekannter": Das Vitamin D3, früher vor allem für seine Rolle beim Knochenaufbau bekannt.

Treffen Makrophagen auf Bakterien, Zerfallsprodukte oder Schmutzpartikel, so setzt der Körper Interferon-gamma frei - ein chemisches Alarmsignal, das die Makrophagen zur Abwehr formiert. Die sammeln sich jetzt am Ort der Bedrohung und setzen das ganze Arsenal ihrer biochemischen Waffen gegen die Fremdkörper ein. Dazu gehört etwa ätzendes Peroxid, mit Hilfe dessen sie aufgefressene Eindringlinge verdauen und damit unschädlich machen. Das jeweilige Organ oder Gewebe, in dem die Abwehr-Zellen jetzt wimmeln, bezeichnet der Arzt als entzündet.

Doch schon während sie in den Kampf ziehen, schütten die Makrophagen laut den Braunschweiger Forschern Vitamin D3 aus. Dies zügelt sie nach einer Weile wieder und lässt ihre Aggressivität abklingen. Der mögliche Sinn dieses Mechanismus: "Es handelt sich wahrscheinlich um eine Selbstkontrolle des Immunsystems", erklärt Dr. Laura Helming, die in ihrer Doktorarbeit an der GBF den neuen Mechanismus entdeckt hat. "Damit sollen Entzündungsreaktionen eingedämmt werden, bevor sie überschießen und zu extrem verlaufen." Dann nämlich könnten sie dem Körper sogar gefährlicher werden als der Erreger selbst: Ungehemmt wütende Makrophagen verursachen schwere Schäden, schlimmstenfalls sogar das Absterben von Körpergewebe. Deshalb sorgt die eingebaute Vitamin D3 -Bremse dafür, dass die körpereigenen Krieger bald wieder müde werden.

Projektleiter Dr. Andreas Lengeling kann sich gut vorstellen, dass diese Erkenntnisse einmal medizinisch nutzbar gemacht werden: "Wenn man diese Mechanismen versteht, kann man neue Ansätze für die Therapie von schweren Entzündungen entwickeln."

MEDICA.de; Quelle: Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF)