Vollbeschäftigte pendeln häufig

Während im Jahr 1995 erst 31 Prozent der Vollzeitbeschäftigten zum Arbeitsplatz pendelten, waren es zehn Jahre später schon 39 Prozent - bei weiter steigender Tendenz. Zwar ist die absolute Pendlerzahl im gleichen Zeitraum von sieben Millionen auf 6,8 Millionen gesunken. Dies ist aber ausschließlich auf einen generellen Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Untersuchungszeitraum zurückzuführen. "Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass Pendeln als flexible Form der Arbeitskräftemobilität zunehmend wichtiger wird", folgern die Arbeitsmarktforscherinnen Anette Haas und Silke Hamann.

Pendlermagneten sind in erster Linie große Städte wie Hamburg, München oder Leipzig und Ballungsräume wie das Ruhrgebiet. Vielerorts haben sich in den letzten Jahren jedoch um die großen Städte herum neue Produktions- und Dienstleistungsstrukturen herausgebildet, die nun ebenfalls Pendler anziehen - ein Trend, den die IAB-Forscherinnen vor allem in den westlichen Bundesländern vorfinden.

Entlang der ehemaligen deutsch- deutschen Grenze ist der Pendlersaldo besonders hoch. Arbeitnehmer können dort ihre vergleichsweise günstigen Wohnsitze im Osten behalten und dabei ohne hohe Fahrtkosten von höheren Westlöhnen profitieren. Pendler tragen durchaus zur Stärkung ihrer Heimatregionen bei. Sie erhöhen die Güternachfrage und stehen bei einer Besserung der Arbeitsmarktlage lokal ansässigen Firmen als Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Abwanderung von gut qualifizierten Beschäftigten schwächt dagegen die Region meist dauerhaft.

Insgesamt pendeln Hochqualifizierte häufiger als alle anderen Gruppen. Im Westen ist dieser Trend immer noch stärker als im Osten. Die großen Städte bieten gerade Höherqualifizierten attraktive Arbeitsplätze. Für Geringqualifizierte gehen die Jobchancen dagegen weiter zurück und ihr Anteil an der Gruppe der Pendler nimmt ab.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit