Voraussage von Metastasen bei Blasenkarzinomen

Professor Dan Theodorescu, Direktor des Comprehensive Cancer Center der Universität Colorado, und seine Arbeitsgruppe konnten eine Gensignatur identifizieren, die in zwei Studien die Metastasierung des Blasenkarzinoms vorhersagen konnte. Nachdem die Methodik der Bestimmung der Expression dieser Gene so optimiert wurde, dass sie auch am Formalin-fixierten und Paraffin eingebetteten Routinematerial aus der Pathologie funktioniert, untersuchten Professor Doktor Arndt Hartmann und seine Mitarbeiter vom Pathologischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), ob diese Gensignatur die Lymphknotenmetastasen auch in einer großen prospektiven und unabhängigen Studienkohorte identifizieren konnte, die vor 15 Jahren durch die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft untersucht wurde.

Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend und zeigen eine signifikante Korrelation der Gensignatur mit dem Auftreten von Lymphknotenmetastasen und dem Überleben der Patienten. Diese Gensignatur könnte eingesetzt werden, um schon vor der Operation Patienten zu identifizieren, die ein hohes Risiko einer Metastasierung aufweisen. Diesen Patienten könnte dann bereits vor ihrer Operation eine zusätzliche Chemotherapie angeboten werden, um mögliche, aber noch nicht nachweisbare Mikrometastasen, zu bekämpfen. Ersten klinischen Studienergebnissen zufolge kann eine solche neoadjuvante Therapie zumindest bei manchen Patienten von großem Nutzen sein. Prospektive Studien müssen klären, ob dieses Vorgehen das Überleben von Patienten mit Harnblasenkarzinom in größerem Ausmaß verbessert.

Die Studie zeigt weiter, dass moderne molekulare Methoden zur Genexpressionsanalyse heute in zunehmendem Maße auch an Routinematerial aus der Pathologie und innerhalb von klinischen Studien angewandt werden können. Dies eröffnet große Chancen zur Entwicklung einer „Molekularen prädiktiven Pathologie“, bei denen der Pathologe den klinischen Kollegen neben der Diagnose auch mit Aussagen zur Prognose des Patienten und zu einer möglichen Therapie unterstützen kann.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg