Vorboten des Schlaganfalls mit 7-Tage-Langzeit-EKG häufiger zu entdecken

Wenn das Herz aus dem Rhythmus ist, wird es oft auch für das Gehirn gefährlich. Die Herzrhythmusstörung "Vorhofflimmern" gilt als der mit Abstand größte Risikofaktor für einen Schlaganfall. Deshalb möchte man diesen gefährlichen "Vorboten" gerne möglichst früh und verlässlich entdecken.

Eine Langzeit-Überwachung mit EKG (Elektro-Kardiogramm) über eine ganze Woche lang ist dazu offensichtlich wesentlich besser geeignet als das bisher übliche 24-Stunden-EKG. Dies zeigen jetzt die Untersuchungsergebnisse einer interdisziplinären Forschergruppe aus Neurologen und Kardiologen an der Universitätsmedizin Göttingen. Für die Studie "FIND-AF" ("find - auricular fibrillation", zu deutsch: "Vorhofflimmern finden") haben sie den Herzrhythmus von Patienten mit einem frischen Schlaganfall genauer untersucht. Die Studie steht unter Leitung von Doktor Rolf Wachter aus der Abteilung Kardiologie und Pneumologie und wird in Kooperation mit Privatdozent Klaus Gröschel aus der Abteilung Neurologie durchgeführt.

Ein Jahr lang haben die Ärzte jeden Patienten der Schlaganfallstation ("stroke unit") an der Universitätsmedizin Göttingen eingeladen, seinen Herzrhythmus für eine Woche mit einem Langzeit-EKG überwachen zu lassen. 281 Patienten nahmen daran teil. Bei 44 Patienten konnte bereits mit dem Aufnahme-EKG ein Vorhofflimmern festgestellt werden. Die übrigen 237 Patienten wurden mit einem 7-Tage-LZ-EKG untersucht. Nach Auswertung der ersten Ergebnisse zeigte sich: Bei jedem achten dieser Patienten (12,5 Prozent) konnte ein Vorhofflimmern festgestellt werden. Mit der bisher üblichen Diagnostik per Langzeit-EKG über nur einen Tag wird dagegen nur bei etwa jedem 25. Patienten (das entspricht vier Prozent) ein Vorhofflimmern aufgespürt.

Das Vorhofflimmern ist häufig nicht einfach zu erkennen. Es agiert versteckt und tritt oft nur für wenige Minuten auf, um gleich danach wieder zu verschwinden. Nur jeder zweite Patient bemerkt diese kurzen Episoden. Sie machen sich, zum Beispiel in Form von Herzrasen bemerkbar. Aber schon diese kurzen Auftritte des Vorhofflimmerns können ausreichen, um Schlaganfälle zu verursachen. Bisher war nicht bekannt, ob es sinnvoll sein könnte, bei Schlaganfallpatienten über einen längeren Zeitraum bis zu einer Woche nach einem solchen Vorhofflimmern im EKG zu suchen.

"Die gewonnenen Daten der Studie sind wichtig, um ganz gezielt Patienten auszuwählen, bei denen ein längeres Langzeit-EKG als derzeit üblich sinnvoll ist", sagt der Koordinator der Studie, Doktor Raoul Stahrenberg aus der Abteilung Kardiologie und Pneumologie. Dies sei nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil es für die Behandlung von Vorhofflimmern nach einem Schlaganfall wirksame Mittel gibt. "Mit einer medikamentösen Behandlung lässt sich ein erneutes Wiederauftreten von Schlaganfällen deutlich senken", ergänzt der Schlaganfallforscher Gröschel aus der Abteilung Neurologie.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität