Seit 2002 gibt es in Deutschland das Früherkennungsprogramm für Darmkrebs. Vom 55. Lebensjahr an werden für alle Versicherten die Kosten für eine Koloskopie übernommen. Professor Hermann Brenner, Epidemiologe im Deutschen Krebsforschungszentrum, berechnete gemeinsam mit dem niedergelassenen Gastroenterologen Professor Andreas Sieg, dass das aufwändige Früherkennungsprogramm neben dem Gewinn an Lebenszeit auch finanzielle Einsparungen für das Gesundheitswesen bringt.

Der Berechnung liegen rund 110.000 Darmspiegelungen zugrunde. Einbezogen wurden die Kosten für Screening- sowie für Nachsorge- Koloskopien, die dann anfallen, wenn bei der ersten Spiegelung Polypen entfernt wurden. Dazugerechnet wurde außerdem die Behandlung von Komplikationen, die bei der Untersuchung auftreten können.

Die Anzahl an Krebsfällen, die durch das Darmspiegelungs-Programm verhindert wurden, schätzen Brenner und Sieg aus der Anzahl der entfernten Polypen und der Häufigkeit, mit der ein Polyp zu Krebs entartet. Der so ermittelte Schätzwert stimmt mit der Anzahl der Fälle überein, die für eine entsprechend große Bevölkerungsgruppe aufgrund der Darmkrebs-Neuerkrankungsrate in Deutschland vor dem Start des Früherkennungsprogramms zu erwarten gewesen wäre.

Bei der Kalkulation der eingesparten Gesamtkosten für Diagnose- und Behandlung wurde außerdem die bei Darmkrebs typische Stadienverteilung und Rezidivrate berücksichtigt. Diese Gesamtsumme wurde den Screening-Kosten gegenübergestellt. Dabei ergaben sich durchschnittliche Einsparungen von 216 Euro pro Teilnehmer des Früherkennungsprogramms.

"Die Früherkennungs-Koloskopie ist damit nicht nur kosteneffektiv, sondern sie führt sogar zu erheblichen Einsparungen, die noch wesentlich höher ausfallen, wenn wir die enorm hohen Preise der neuen Darmkrebs-Medikamente, der so genannten Biologicals, einberechnen würden", erläutert Brenner.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum