Es sind immer wieder Sternstunden der Wissenschaft, vor allem aber der Pharmaindustrie und der Medizinjournalisten: Eine randomisierte klinische Studie wird vorzeitig beendet, weil sich das Medikament oder der untersuchte Therapieweg als so deutlich überlegen gezeigt hat, dass eine Fortsetzung der Studie bis zum geplanten Ende überflüssig scheint. Nun haben sich Wissenschaftler solche Studien einmal näher angesehen und deren Prävalenz und die Stärke des angeblich so überzeugenden Therapieansatzes angesehen. Außerdem beleuchteten sie, ob immer transparent publiziert wurde, wie die Studienleiter sich für die vorzeitige Studienbeendigung entschieden.

Wissenschaftler fanden bis zum November 2004 insgesamt 143 randomisierte klinische Studien, die wegen klarer Überlegenheit der untersuchten Therapieintervention vorzeitig beendet worden waren.

Die meisten dieser Studien (92) wurden in fünf hoch angesehenen medizinischen Fachzeitschriften publiziert: Lancet, New England Journal of Medicine (NEJM); Journal of the American Medical Association (JAMA), Annals of Internal Medicine und British Medical Journal (BMJ). In den 90er Jahren wurden nur 0,5 Prozent aller Studien vorzeitig beendet. Nach 2000 stieg dieser Anteil signifikant auf 1,2 Prozent (p kleiner 0.0001).

Die Studienleiter bemängeln, dass die vorzeitig beendeten Studien häufig keine oder nur wenig Auskunft darüber geben, wer die Entscheidung zur vorzeitigen Beendigung und aus welchen Gründen getroffen hat.

Experten fordern daher, dass alle größeren klinischen Studien von unabhängigen Expertengremien begutachtet werden sollten. Außerdem müssen klare statistische Vorgaben entwickelt werden, wann eine Studie vorzeitig beendet werden darf. Bis dahin, so die Studienautoren, sollten vorzeitig beendete Studien skeptisch betrachtet werden.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association (JAMA) 2005, Vol. 294, S. 2203-2209, 2228-2230