Wirtschaft: Wachstum von MedTech abgeschwächt

06.11.2013
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Das erwartete Umsatzwachstum der Medizintechnik-Branche hat sich in Deutschland im Jahr 2013 deutlich abgeschwächt; © panthermedia.net/
Jenny Sturm

Das erwartete Umsatzwachstum der Medizintechnik-Branche hat sich in Deutschland im Jahr 2013 deutlich abgeschwächt. Es liegt bei durchschnittlich nur noch 2,6 Prozent. In den Vorjahren waren es jeweils noch rund 5 Prozent.

Das ergab die Herbstumfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed), an der sich 111 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Besser entwickelt sich mit rund 4,4 Prozent die weltweite Umsatzentwicklung. Der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan plädierte für eine "kohärente Innovationsförderung" und verbindliche Fristen für die zusätzlichen Prüfprozesse, um die Chancen von MedTech-Innovationen für die Patientenversorgung und ein effizientes Gesundheitssystem besser nutzen zu können". Die neue Bundesregierung ist gefordert, durch eine kohärente Innovationspolitik aller beteiligten Ressorts den MedTech-Standort Deutschland wieder attraktiver zu machen", so Lugan.

Nach Informationen von BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt sei die Gewinnentwicklung der MedTech-Unternehmen weiter rückläufig. Nach der BVMed-Herbstumfrage erwartet nur noch ein Viertel der Unternehmen in diesem Jahr in Deutschland ein besseres Gewinnergebnis. Über ein Drittel erwarten zurückgehende Gewinne. Hemmnisse sehen die Unternehmen vor allem im Erstattungsbereich. 64 Prozent beklagen den zunehmenden Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften. 44 Prozent der Unternehmen kritisieren die innovationsfeindliche Politik der Krankenkassen, 38 Prozent das insgesamt zu niedrige Erstattungsniveau in Deutschland. Kritisiert wird auch, dass die Patienten durch die negative öffentliche Diskussion über Medizinprodukte zunehmend verunsichert sind (29 Prozent).

Wegen der schlechten Inlandsentwicklung gerate auch der Jobmotor Medizintechnologie ins Stottern. Nur noch 45 Prozent der befragten Unternehmen hätten gegenüber dem Vorjahr neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Vorjahr waren es noch 58 Prozent. 16 Prozent haben gegenüber dem Vorjahr Personal abgebaut. Schmitt: "Der Standort Deutschland verliert damit zunehmend an Attraktivität." Nach Ansicht von Lugan bieten medizintechnische Innovationen große Chancen für eine Verbesserung der Patientenversorgung und Effizienzsteigerungen im Gesundheitssystem in Deutschland.

Die Branche habe beste Startbedingungen, werde aber durch bürokratische Instrumente und langwierige Erstattungsregelungen zunehmend ausgebremst. Mit dem Thema Nutzenbewertung würden die Krankenkassen nun die nächste Hürde aufbauen. Lugan: "Wir wehren uns nicht gegen Nutzenbewertung. Sie muss aber sachgerecht sein und ein differenziertes Vorgehen bei Medizinprodukten nach Risikoklasse und Modifikationsgrad ermöglichen. Wir werfen den Spitzenverbänden der Krankenkassen vor, durch übertriebene Anforderungen an den Nutzennachweis den Weg der Patienten zu modernen Medizintechnologien in einen Hürdenlauf zu verwandeln."

Von der neuen Bundesregierung erwarten die Medizintechnik-Unternehmen, dass Deutschland als Leitmarkt und Kompetenzzentrum Gesundheit und Medizintechnik wieder gestärkt wird. "Hierzu brauchen wir ein innovationsfreundliches Umfeld und einen starken Heimatmarkt, um auch künftig von unsere Stärken im Export medizintechnischer Produkte profitieren zu können", so der BVMed-Vorstandsvorsitzende.

Lugans Fazit: "Wir wollen eine qualitativ hochwertige Versorgung für die Patienten sicherstellen. Dafür brauchen wir ein innovationsfreundliches Umfeld mit einer positiven Einstellung zu Innovationen und dem medizinisch-technischen Fortschritt. Damit können wir das Versorgungsniveau aufrecht erhalten und Deutschland als Leitmarkt und Kompetenzzentrum für Gesundheit weiter ausbauen."

MEDICA.de; Quelle: BVMed